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GastroGuide-User: Jenome
Jenome hat Altbayerische Schmankerlstube in 94227 Zwiesel bewertet.
vor 2 Jahren
"Bayrisch regionale Küche mit groben Schnitzern"
Verifiziert

Geschrieben am 25.10.2022
Besucht am 01.10.2022 Besuchszeit: Abendessen 3 Personen Rechnungsbetrag: 77 EUR
Nachdem wir von unserer Wanderung am Hohen Bogen zurück in Zwiesel waren mussten wir natürlich erst einmal die heimische Bärwurzerei aufsuchen, um das ein oder andere Weihnachtsgeschenk als auch diverse Magentropfen für uns zu kaufen. Aber auch der Werksverkauf von Zwiesel Kristallglas mit seiner riesigen Glaspyramide stand auf dem Plan. Nachdem wir also einiges an Geld bei der Zwieseler Wirtschaft gelassen hatten, ging es für uns nun ins Zwieseler Zentrum. Hier stand bereits im letzten Jahr die „Altbayrische Schmankerlstube“ auf unserer ToDo-Liste, allerdings hatte das Wirtshaus seinen verdienten Urlaub. Dieses Jahr nun sollte es klappen, und so hatte ich bereits im Vorfeld von zu Hause aus einen Tisch reserviert. Zum Glück, denn die Schmankerlstube war bis auf den letzten Platz besetzt, und der Wirt musste spontan anreisende Gäste leider wieder nach Hause schicken.

Zugang vom Stadtplatz

Das Gasthaus bzw Restaurant befindet sich unmittelbar im Zentrum von Zwiesel auf dem Stadtplatz, schräg gegenüber ist die Gastwirtschaft „Dampfbräu“ welche ich bereits letztes Jahr hier beschrieben hatte.

Eingang zum Restaurant Werbung

Durch eine große Baustelle war der Stadtplatz dieses Jahr nur aus einer Richtung zu erreichen, so war es auch kein Problem bei dem verregneten Wetter unmittelbar vor der Schmankerlstube einen Parkplatz zu ergattern. Das Restaurant befindet sich hier im hinteren Teil eines großen Gebäudes, welches auch von einer bayrischen Bank genutzt wird. Das ist ganz von Vorteil, denn bereits an der Restauranttür steht angeschrieben das hier nur Barzahlung möglich ist. Im Restaurant wurden wir vom Wirt freundlich empfangen und nach unserer Reservierung gefragt. Nachdem das gecheckt war, durften wir an der Fensterfront zum überdachten Biergarten Platz nehmen. Hier vom Biergarten sieht man auch den unmittelbar unter dem Restaurant lang fließenden „Großer Regen“, und durch ein Wehr unterhalb des Restaurants ist das rauschen des Wassers deutlich vernehmbar. Mitten im Stadtzentrum fernab vom Verkehr kann man sich hier in Ruhe niederlassen und der Natur lauschen.

Biergarten Hinweis auf dem Stadtplatz

Da es ja aber heute kalt und regnerisch war, waren wir froh im mollig warmen Restaurant zu sitzen. Das Restaurant ist typisch bayrisch, rustikal und gemütlich eingerichtet. Allerhand Pferdebilder und Pferdegeschirr verzieren die Wände, ohne dabei aufdringlich zu wirken. In der Mitte des Lokals steht die große Theke, von welcher der Wirt die Gaststube im Blick hat. Auf den großen, rustikalen Stühlen sitzt man mit einem Sitzkissen ganz bequem. Die schweren Holztische bieten ausreichend Platz für viele Teller.

Gastraum mit Blick zur Theke Gastraum

Nachdem wir Platz genommen hatten, wurde uns die ausgiebige Speisekarte gereicht, welche als einlaminierte A4 Blätter noch ein Überbleibsel aus den strengen Coronazeiten ist. Geboten werden hier typisch deutsche Küche aber wie der Gasthausname schon verrät auch bayrische Schmankerl und Brotzeiten. Auf einer Schiefertafel in der Gaststube wird auch frisches Pferdefilet angeboten.

besonderes Angebot:Pferdefleisch

Als großer Hinweis steht in der Karte das für Beilagen Änderungen 1 Euro berechnet wird. Dies ist eine Praxis welche ich persönlich nicht so recht nachvollziehen kann. Zu 99% esse ich eigentlich doch das was auf der Karte angepriesen wird, aber es gibt ebend doch Dinge die ich lieber mit Pommes als mit Kroketten haben will. Und da finde ich diesen Preisaufschlag unverschämt.

Auszug aus der Speisekarte

Nach wenigen Minuten war die Chefin wieder an unserem Tisch, und ragte erst einmal unsere Getränke ab.

Wir orderten:

·         1x 0,3ér Dampfbier dunkel für 3,00 €
·         1x 0,2ér Riesling trocken aus 2021 vom Weingut Valentin Vogel aus der Pfalz für 5,90 €
·         1x 0,4ér Orangensaft für 4,50 €

Während der Chef die Getränke hinter der großen Theke vorbereitete, und die Chefin die anderen Tische fleißig bediente, hatten wir noch etwas Zeit uns unsere Hauptspeisen auszusuchen. Nachdem dann unsere Getränke kamen, konnten wir nun auch unsere Speisen bestellen:

Als Vorspeise sollte es sein:

·         2x Leberspätzlesuppe für je 3,90 €

Als Hauptspeise wünschten wir:

·         1x Käsespätzle für 9,90 €
·         1x Bayrischer Wurstsalat reich garniert mit Brot für 6,90 €
·         1x Waidlerschnitzel, ein saftiges Schweineschnitzel in Schwammerlsoße mit hausgemachten Eierspätzle für 15,90 €

Während ich so mein erstes kleines Dampfbier aus der hiesigen Brauerei genoss, fragte ich mich dann schon, warum dies hier frisch gezapft vom Fass nur als 0,3ér Glas angeboten wird. Das ist doch eigentlich ganz untypisch für Bayern, da die ja doch eher zu großen Biergläsern neigen, und auch die anderen Biere hier im Lokal zumindest als 0,5ér Glas angeboten werden. Mit dem Riesling trocken des Weingutes Valentin Vogel war meine Frau leider auch nicht so zufrieden. Ihr missfiel der doch recht „trockene“ Geschmack, was man letztendlich auch daran merkte, dass sie sich bis zuletzt an dem Glas aufhielt. Dabei ist meine Frau eigentlich Liebhaber trockener Weine.

Riesling trocken aus 2021 vom Weingut Valentin Vogel aus der Pfalz & Dampfbier dunkel

Knappe 10 Minuten nach unserer Bestellung kam dann unsere dampfende und kochend heiße Leberspätzlesuppe an den Platz. Wie wir Touris es lieben, war dieser kräftige Boullion mit reichlich festen und gut schmeckenden Leberspätzle bestückt. Durch die doch unterschiedliche Größe der Leberspätzle würden wir auch sagen, dass diese hier selbst hergestellt werden. Das war schon mal ein guter Start.

Leberspätzlesuppe

Keine 5 Minuten später, unsre große saß noch an ihrer heißen Leberspätzlesuppe, kamen schon unsere Hauptspeisen. Sehr schlechtes Timing der Küche.

Unsre Große hatte sich für die Käsespätzle entschieden. Dies war eine brutzelnde, gusseiserne Pfanne voll mit frischen, weichen Spätzlen, welche mit einem cremigen und sehr milden Käse angerichtet wurden. Obenauf reichlich knusprige geröstete Zwiebel.

Käsespätzle mit Salatbeilage Käsespätzle

Zu den Käsespätzle wurde zusätzlich ein großer Salatteller gereicht. Dieser war mit frischem Blattsalat, frischer Gurke und Tomate sowie Karottenscheiben angerichtet. Das ganze mit einem milden Essigdressing abgeschmeckt, fertig war der Salat.

Salatteller als Beilage zu den Käsespätzle

Ich hatte mir das Waidlerschnitzel auserkoren. Aber statt einem saftigen Schweineschnitzel wurde mir hier ein viel zu lange in der Pfanne gebratenes Schweinesteak serviert, denn ohne Panade ist das bei weitem kein Schnitzel. Die Schwammerlsoße sah zwar cremig aus, war mir persönlich aber zu dünn. Auch vermisste ich hier ganz paar Schwammerl, denn die wenigen Pilzstückchen die in der Soße schwammen waren nicht der rede wert. Die hausgemachten Spätzle dagegen waren wieder sehr gut und vor allem reichlich. Sie waren teilweise schön kross angebrutzelt und zum Glück nicht pappig, also so wie ich es mag.

Waidlerschnitzel, ein saftiges Schweineschnitzel in Schwammerlsoße mit hausgemachten Eierspätzle

Meine Frau hatte sich heute für die leichte Variante des Abendbrotes entschieden, und den Bayrischen Wurstsalat gewählt. Eine große Platte mit reichlich Fleischkäsestreifen wurde gereicht. Hier scheiden sich sicher die Geister, da ja der originale bayrische Wurstsalat eigentlich aus Lyoner bzw Fleischwurst hergestellt wird.  Zu den Wurststreifen gab es ebenfalls mehr als reichlich frische, rote und vor allem scharfe Zwiebelstreifen dazu. Das Ganze war mit einer mildwürzigen Essigtunke angerichtet und mit saurer Gurke und frischer Tomate garniert.

Bayrischer Wurstsalat Bayrischer Wurstsalat mit reichlich Wurst und Zwiebel

Der Salat war schon mal ordentlich, vom Brot konnten wir das nicht behaupten. Entweder das Brot war einige Tage alt, oder die abgeschnittenen Scheiben lagen schon lange so in der Küche. Jedenfalls kenne ich von frischem Brot das es doch „durchhängt“, wenn man es in der Hand hält. Das war hier nicht der Fall. Das Brot lag wie ein Brett in der Hand. Das das Brot trocken war, konnte man auch an den Rissen im Brotteig ganz gut erkennen. Das geht ja mal gar nicht. Anderes Brot stand nach Auskunft der Wirtin aber nicht zur Verfügung. Schade.

furztrockenes Brot

Nachdem wir mit unseren Speisen fertig waren, liebäugelte unsre Große mit einem ganz speziellen Nachtisch der ihr bereits am Anfang ins Auge gefallen war. Da dieser scheinbar aber etwas zu groß als Nachtisch war, überzeugte sie uns, diesen doch durch drei zu teilen.

So orderten wir als Nachtisch:

·         1x Riesenwindbeutel mit heißen Himbeeren, Vanilleeis und Sahne für 7,90 €

Eine knappe viertel Stunde mussten wir zum Glück auf den Nachtisch warten, denn was uns dort dann kredenzt wurde verschlug uns die Sprache. So einen Windbeutel habe ich mein Leben noch nicht gesehen. Bisher dachte ich das das Allee Café auf Fehmarn (siehe mein Bericht) die größten Windbeutel herstellt, aber nein, dieser hier stellt alles in den Schatten. So groß wie ein großer Mittagsteller thronte da ein Windbeutel auf unserem Tisch. Da wir den Windbeutel teilen wollten, wurde uns dankenswerter Weise auch dreimal Besteck serviert. Nun konnten wir uns also an die Arbeit machen. Die feste, nicht zu süße Sahne wurde von zwei riesigen Stücken Brandteig gehalten: Der Teig ebenfalls nicht zu süß und angenehm fest. Das Vanilleeis in der Mitte des ganzen Beutels und die heißen Himbeeren dazu waren eine gelungene und leckere Mischung. Wow, was für ein Teil. Laut Aussage der Wirtin gibt es wirklich Gäste, welche nach einem Wolpertinger Grillteller tatsächlich noch so einen Windbeutel verdrücken. Wahnsinn.

Riesenwindbeutel mit heißen Himbeeren, Vanilleeis und Sahne

Ob des reichlichen Essens entschieden wir uns dann noch dazu einen Verdauer zu uns zu nehmen. Eigentlich hatten wir uns einen Dampfbierbrand auserkoren, der wird wohl aber aufgrund der momentan steigenden Energiepreise zurzeit nicht gebrannt. Also gönnten wir uns noch einen König-Ludwig_Bierbrand für je 5,90 €.

König-Ludwig-Bierbrand

Nachdem wir nun fertig waren verlangten wir die Rechnung, und auch hier wurde uns wie in den beiden anderen Kneipen zuvor der Betrag auf einem Zettel am Tisch ausgerechnet. Bonpflicht scheint es in Bayern jedenfalls nicht zu geben.

Unser Fazit: wir ließen zu dritt 77,60 € in der „Altbayrischen Schmankerlstube“ in Zwiesel. Typisch bayrische Gastlichkeit mit den typisch bayrischen Gerichten. Einige Dinge beim Essen missfielen uns, so das Steak statt Schnitzel auf dem Teller war oder auch das furztrockene Brot. Das geht gar nicht. Auch das Timing der Küche könnte etwas besser getacktet sein, auch wenn das Haus brechend voll ist.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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