Le Moissonnier
(5)

Krefelder Str. 25, 50670 Köln
Restaurant Sternerestaurant Weinkeller
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GastroGuide-User: tischnotizen
hat Le Moissonnier in 50670 Köln bewertet.
vor 2 Monaten
"Lockdown Stories: Die kulinarische Weltreise geht weiter - next destination: Espana"

Geschrieben am 05.03.2021
Besucht am 20.02.2021 Besuchszeit: Abendessen 2 Personen Rechnungsbetrag: 190 EUR
Die Weltreise in den Menüs des „Le Moissonnier“ geht weiter. Nach Italien und Köln (passend zum Karneval) geht es weiter durch Europa, auch die Karibik und Asien stehen auf dem Reiseplan. Und als hätten Eric Menchon und Vincent Moissonnier es geahnt, dass nach einem Wochenende, an dem man noch auf den Kölner Teichen Schlittschuh laufen konnte, urplötzlich mit 20°C strahlendes Frühlingswetter über die Domstadt hereinbricht, widmen sie sich an diesem Wochenende der spanischen Küche.
 
Mittlerweile ist es ja Usus, dass man mit jeder liebevoll vorbereiteten Box nicht nur zahlreiche wiederverwendbare Gläser bekommt, sondern auch immer ein Küchengeschirr. Mittlerweile haben wir diverse Auflaufformen in Gebrauch und auch diesmal werden wir ein weiteres Stück inventarisieren können, denn die Paella ist bereits entsprechend vorbereitet und gleich samt Form vakuumiert. Zusätzlich spendiert man auch zwei farben- und musterintensive Servietten.
 
Die Komponenten
 
Der spanische Abend startet mit Jakobsmuscheln, die mit ein paar Butterflocken nur im Backofen erwärmt werden. Gleichzeitig wird die Weißwein-Venusmuschelsauce erhitzt. Das Ergebnis ist eine perfekt auf den Punkt gegarte Jakobsmuschel und eine sehr aromatische Sauce. Ausgezeichnet.
 
Jakobsmuscheln in Weißwein-Venusmuschel-Sauce
 
Weiter geht es mit einem kalten Gang, der bereits vollständig vorbereitet ist. Die Aioli-Seehecht-Rillette kommt auf einem Fenchelsalat, der vor allem mit gestiftelten Mandeln sowie kleinen Orangen- und Olivenstücken angereichert ist. Bleibt die Aioli sehr zurückhaltend, ist aber alles andere sehr harmonisch.
Vincent Moissonnier empfiehlt dazu Weißbrot oder Baguette. Mittlerweile gehört es zu unseren morgendlichen Ritualen, wenn wir in Köln sind, die knapp drei Kilometer in den Stadtteil Lindenthal zu marschieren, um dort in der Artisan Boulangerie Merlê das beste Baguette überhaupt für das Frühstück zu besorgen. Nicht ohne Grund ist Jacques Merlet schon lange Haus- und Hoflieferant für das „Le Moissonnier“ und in der Tat ist sein Baguette besser als das Meiste, das wir aus Frankreich kennen. Sein Croissant übrigens auch. Wenn wir dann nach Hannover zurückfahren, ist natürlich sein Brot dabei. Vincent Moissonnier dürfte also mit der Wahl unserer Beilage sehr zufrieden sein.
 
Aioli-Seehecht-Rillette mit Fenchel-Orangensalat, Orange und Mandeln
 
Mit dem Pulpo-Ragout wird es aromatisch schon eine deutliche Spur würziger. Optisch macht das zwar nicht allzu viel her, aber geschmacklich überzeugt die Kombination aus zarten Pulpostücken mit einer Sauce auf Basis von feinster Ochsenherztomate, Weißwein, Chili, Knoblauch und Olivenöl uneingeschränkt.
 
Pulpo-Ragout mit pikanter Tomate Cœur de Boeuf
 
Noch einen Gang höher schaltet Eric Menchon mit dem Sobrasada-Bohnenragout als Beilage zum Secreto vom Iberico-Schwein. Das Fleisch ist perfekt gegart und muss nach dem Erwärmen im Backofen lediglich noch in Tranchen geschnitten werden. Das Ragout bekommt vor allem durch die sehr paprikalastige Sobrasada ihren würzigen Charakter. Üblicherweise ist dies ja eine vor allem streichfähige Wurst. Hier findet sie sich jedoch in kleinen, noch relativ festen Stücken wieder, was gut zu den Bohnen passt, die noch angenehm al dente sind. Eine deutliche Note von geräuchertem Paprika zieht sich ebenso durch das Ragout, was wiederum großartig zu der Sauce Romesco passt, eine Sauce aus Katalonien auf Basis von Tomaten, getrockneten Paprika, Mandeln und Knoblauch, ähnlich einem Pesto.  In jedem Fall ein tolles Gericht, das als Hauptgericht bereits jedem spanischen Restaurant alle Ehre machen würde.
 
Iberico Secreto mit Sobrasada-Bohnenragout und Sauce Romesco
 
So langsam setzt bereits eine gute Sättigung ein, aber wir sind noch lange nicht durch, denn zunächst wird noch ein Stück Tortilla etwas erwärmt. Wenn man schon durch Spanien reist, darf dieser baskische Klassiker natürlich nicht fehlen. Das ist jetzt zwar keine Offenbarung oder überwältigende Neuinterpretation, aber darum geht es hier auch nicht. Die Tortilla aus der „Le Moissonnier“-Küche ist vermutlich genau so, wie sie sein muss, wenn man sie gut machen will. Und schmecken tut sie auch.
 

Baskische Tortilla
 
Ein spanisches Essen ohne Paella? Undenkbar! Und deshalb stellt dies auch den Höhepunkt in der Noche Española dar. Nun ist eine Paella aber gar nicht so einfach zuzubereiten und von daher bin ich gespannt, wie Eric Menchon dies für die Take Away-Version gelöst hat. In der Schale finden sich bereits sehr appetitlich alle Zutaten, die man von einer guten Paella erwartet wie Sepia, Calamari, Muscheln, Kaninchen und Hühnchen sowie natürlich diverse Gemüse und angegarter Reis. Separat wird in einer Flasche eine vorbereitete Bouillon mitgeliefert, die zunächst aufgekocht und dann angegossen wird, so dass die Schale gut bedeckt ist. Im Backofen darf der Reis dann für etwa eine halbe Stunde die Flüssigkeit aufsaugen. Das klappt soweit auch sehr gut und die Bräunung sieht auch ordentlich aus.
Geschmacklich ist am Ergebnis nichts auszusetzen. Bei so feinen Zutaten und Gewürzen hätte ich aus der „Moissonnier“-Küche auch nichts anderes erwartet. Dennoch kommt man bei so einem Gericht dann doch etwas an die Grenzen dessen, was für ein Take Away-Menü machbar ist. Natürlich ist das Gericht von schöner Schlotzigkeit, der Reis sogar fast ein wenig zu weich, aber das ist verschmerzbar. Was aber fehlt, ist das Vergnügen, aus der typischen Paella-Pfanne am Boden die leicht angesetzten Reste auszukratzen, die ich besonders lecker finde oder die etwas feste Oberfläche, die das saftige Innere schützt und gleichzeitig für etwas Texturunterschied sorgt. Aber das ist Mäkelei auf hohem Niveau und ich finde es bemerkenswert genug, dass man sich überhaupt Gedanken gemacht hat, wie man ein so von der klassischen Zubereitungsart mit Eisenpfanne abhängiges Gericht für dieses Konzept umsetzen kann. 
 
Paella vorher
...Paella fertig 
…und angerichtet
  
Für das Dessert hat sich Eric Menchon einen weiteren Klassiker aus der spanischen Küche vorgenommen. Die Crème Catalane wird ja häufig als iberisches Gegenstück zur Crème Brûlée betrachtet und in der Tat weisen beide Süßspeisen auch viele Parallelen auf. Mit beidem hat die Version heute aber nicht viel zu tun, denn auf dem Teller haben wir auf einem sehr lockeren Mandelbiskuit eine luftige Creme, die von der Konsistenz eher an eine Crème Pâtissière erinnert. Geschmacklich sind wir mit Mandellikör, Orange und weißer Schokolade aber schon deutlich anders unterwegs. In jedem Fall ist das zum Abschlecken köstlich und so leicht, dass es trotz des fortgeschrittenen Sättigungsgrades problemlos funktioniert.
 
Crème Catalane mit mallorquinischem Mandelbiskuit
 
Um das spanische Erlebnis komplett zu machen, gibt es auch noch eine Tüte mit Montecao-Gebäck. Wie bei so vielen spanischen Keksen, sind auch diese mir etwas zu trocken, aber mein Mann liebt sie und der leichte Zimtgeschmack mit dem Haselnussöl im Hintergrund ist ja auch lecker. Und wem es, wie mir, zu trocken ausfällt, dem hilft ja vielleicht die ebenfalls mitgelieferte Flasche selbst kreierter Sangria. Obwohl natürlich mit Rotwein und Gin zubereitet, überwiegt hier ein eher fruchtiger Geschmack und der Alkohol bleibt sehr verhalten. Wir trinken es daher mit Eiswürfeln als Schorle und finden das, gerade auch nach so einem ausgiebigen Essen, sehr erfrischend.
 
Montecao
Sangria 
 
Die üblichen Petits Fours, bestehend aus Karamellbonbon, Marshmallow und Orangenlutscher fehlen auch heute nicht.
 
Petits Fours
 
Ich besinne mich auf einen Rest Brandy, der sich noch irgendwo zwischen den anderen hochprozentigen Flaschen finden muss und beschließe, dass dies den spanischen Abend nun endgültig passend beendet.
 
Brandy
 
„Le Moissonnier“ kann also nicht nur italienisch, sondern auch spanisch. Auch das dritte Menü, das wir uns aus Kölns erstem Haus am Platze mit nach Hannover genommen hat, hat uns geschmacklich rundum begeistert. Die Gerichte sind so vorbereitet, dass sie denkbar einfach fertig gestellt werden können. Die hochwertige und nachhaltige Verpackung ist weiterhin beeindruckend, die Beschreibungen inklusive sämtlicher verwendeter Zutaten und Auflistung aller Allergene exemplarisch.
 
So kreativ, wie sich die Küche im Restaurant präsentiert, so kompromisslos ist sie auch bei der Qualität der Zutaten und Zubereitungen für diese Take Away-Menüs, selbst wenn sie hier den Fokus mehr auf die Präsentation traditioneller Gerichte setzt und die Kreativität dafür etwas hinten anstellt. Man darf also gespannt sein, welche Ideen dem Duo Menchon / Moissonnier noch kommen und wohin sie die kulinarische Reise um die Welt noch führt, solange sie nicht ihr wunderschönes Restaurant bespielen dürfen.
 
#supportyourlocalrestaurants
 
 
Bericht wie immer auch auf meinem Blog: http://tischnotizen.de/le-moissonnier-koeln-5/
DETAILBEWERTUNG
Service
keine Wertung
Sauberkeit
keine Wertung
Essen
Ambiente
keine Wertung
Preis/Leistung


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