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GastroGuide-User: Nolux
hat Weinhaus Michel in 55116 Mainz bewertet.
vor 5 Jahren
"Das haben wir besser in Erinnerung! Leider enttäuschend!"
Verifiziert

Geschrieben am 23.05.2015 | Aktualisiert am 24.05.2015
Besucht am 21.05.2015
Weinhaus Michel
 
Es gibt ja so einige Weinhäuser / Weinstuben in Mainz. Ich meine, das Weinhaus Michel fällt da ein bisschen aus der Reihe. Sei es vom Angebot her, vom Ambiente oder alleine die Tatsache, dass Wein aus eigenem Anbau verkauft wird, dabei sind es noch nicht mal Mainzer Gewächse, sondern stammen vom Weingut in Weinolsheim.
 
Wir waren ja schon öfter dort essen, wollten auch vor Wochen schon mal hin, bekamen aber keinen Platz mehr, obwohl es Montagabend war. Der Grund diesmal war, Schwesterchen und Ich luden unsere gemeinsame Mutter zum Essen ein, da wir beide nicht an Muttertag Zeit hatten. Sohnemann durfte auswählen. Und da Mama auch schon mal bei Michels war und einen Besuch schon immer mal wieder anregte, fiel mir die Entscheidung dementsprechend leicht. Also per Email angefragt, freundlich war die Antwort, wäre kein Problem! Also gut. Der Abend war gerettet. Dachte ich…
 
Es war ein freundlicher Donnerstagabend. Es herrschten noch milde Temperaturen als wir gegen 19:00 Uhr an der Haltestelle Schillerplatz aus der Straßenbahn stiegen. Von dort aus läuft man bequem in 15 Minuten durch die Altstadt zu unserem Ziel. Vor der Weinstube waren einigen Gäste am Trinken, Essen, Babbeln. Mainzer Gelassenheit auf gemütlichen Bänken und Tischen. Ich gehe voran. Drinnen wollten wir essen. Also stehe ich erst mal vor der Theke und warte bis einer der drei Bedienungen mich bemerkt. Das Trio ist schwer beschäftigt. Ein Herr, zwei Damen. Alle drei, wie eigentlich schon immer wenn wir dort hinkommen, neue Gesichter. Hauptsächlich Studierende helfen dort aus. Das eine Mädel nimmt sich meiner an. „Habe Reserviert“, „ja, für drei“. Okay. Wir dürfen an den noch einzig freien Tisch, auf dem auch ein „Reserviert-Zettel“ (handschriftlich) liegt. Nun denn. Wir setzen uns. Alle drei auf die Bank. Einzig vor dem Tisch im Gang stehen zwei Stühle. Diese sind aus braunem Holz mit einer Polsterung aus (wein-)rotem (Kunst?-) Leder. Der Tisch aus demselben Holz geschnitzt war ohne Tischdecke. Nur ein rotes Stofftuch, eigentlich ein Tischset, lag in der Mitte. Darauf eine gelbe Vase mit einer Blume, deren Knospe kurz vorm „Platzen“ war, daneben eine Kerze, ebenfalls im Glas. Wir bekommen schnell die Karte und dürfen schauen. Gleich auf der ersten Innenseite die Saison-Spezialitäten. Wie sollte es im Mai auch anders sein? „Spaschel“ (so schwätzt man in Meenz, heißt eigentlich Spargel! Eine Suppe, neun Gerichte und ein Erdbeerdessert. Dann kommen erst mal die Weine und Getränke. Hinten in der Karte dann die anderen, die Standardgerichte. Hier findet jeder etwas. Kalte Platten, Spundekäs und Handkäs, Salate, Schnitzel, vegetarisches, und (argentinisches) Rumpsteak.

Wie werden nach Getränken gefragt. „Bitte eine Flasche Wasser (4,50€ / 0,75) mit drei Gläsern und drei Glas „Ritzamboo“ (3€ / 0,1) (So heißt der hauseigene Perlwein, neudeutsch auch Secco genannt. Wer sich mit der Mainzer Fassenacht auskennt, und auch die Mainz 05er im Stadion schon mal angesehen hat, wird das gleichnamige Lied kennen.)
Doch zuerst wurde das Wasser von der weiblichen Bedienung in unsere Gläser gefüllt. Danach gaben wir unsere Bestellung auf. Eine Karte behielten wir um uns über den Wein zum Hauptgang zu beraten. Kaum war Bedienung 1 weg, kam Bedienung 2 und wollte unsere Bestellung aufnehmen. Hauptsache abgesprochen und gut organisiert… Kurz danach werden uns die Bestecke gebracht. Die befinden sich samt Serviette in einer Papiertasche. Kenne ich so bisher nur aus Italien..
Noch vor dem Secco kommt dann unsere gemeinsame Vorspeise, die wir zum Aperitif genießen wollten.
 
 
Spundekäs mit Bretzelcher (6€)
 
Serviert wurde die rheinhessische Spezialität in einer gelben Steinschale auf einem weißen Teller. Auf dem Spundekäs und auf dem Teller ein paar Salzbrezel. Über der „Frischkäsezubereitung“ hatte man großzügig Zwiebelwürfel und Paprikapulver verstreut. Leider von der scharfen Sorte. Der Spundekäs an sich war sehr cremig, fast schon leicht kam er daher, nur war der Paprikageschmack zu dominant. Und die Tatsache, dass hier die scharfe Paprika, und nicht die edelsüße genommen wurde, nahm dem Gericht die Frische. Wir fanden diese Art der Zubereitung nicht optimal und aßen den Topf nur des Hunger wegen leer. Habe ich her schon besser erlebt. Die Bretzelchen waren dafür aber sehr gut! 2,5*
 
Immer wieder kamen Gäste aller Couleur und Altersgruppen in den Gastraum um einen Platz zu ergattern. Im Innern können vielleicht 40 Personen Platz nehmen. Auch muss man damit rechnen, in Mainzer Weinstuben an einen bereits besetzten Tisch dazu gesetzt zu werden, egal ob man sich kennt. So isses nun mal hier. In einem Nebenraum des Weinhauses Michel  gibt es eine Art „Lounge“, dort sitzt man gemütlich auf niedrigen Kisten auf Kissen, richtige Tische gibt es dort aber nicht. Eher was zum gemütlichen „Schörlsche-Trinke.“ An diesem Abend schien diese Räumlichkeit aber geschlossen. Es kamen dann unsere Hauptgänge, und das Drama nahm seinen Lauf. Bisher waren wir immer zufrieden mit dem Essen, alles war handwerklich einwandfrei. Hatte die Küche heute einen schlechten Tag? Unsere Mutter wählte von der Saisonkarte
 
 
Foine Medaillons vun de Wutz mit Pilzragout und Kräuderspätzle (14,80€)
(Feine Schweinemedaillons)
 
Eine stattliche Portion. Drei große Stück Wutz. Darunter die Pilze in Rahm und ein Berg Spätzle. Dem Anschein nach selbst gemacht. Aber die waren kalt. Obwohl angebraten waren die Dinger kalt. Da wir während dem Servieren die Weine bestellten, reklamierte unsere Mutter, während wir schon aßen. Der Teller wurde auch entschuldigend in die Küche gebracht, man würde sie noch mal warmmachen. Nach zwei bis drei Minuten kam der Teller zurück. Nur wo waren die Spätzle geblieben. Ein Drittel der Portion muss wohl unterwegs verschollen gegangen sein… Naja, es waren eh mehr als genug. Dampfend stand der Teller nun auf dem Tisch. Was riecht denn da? Die werden die Spätzle doch nicht mal schnell in die Fritte geschmissen haben? Es schmeckte grade so. Nach altem Fett. Mama konnte sie nicht essen. Ich hab ein paar vertilgt, da ich nicht glauben konnte, was da lag. Die Dinger waren jetzt zwar warm, aber voll Fett, schmeckten wirklich nicht. Von Salz ganz zu schweigen… Das war ungenügend!
Das Fleisch für meinen Geschmack zu trocken, Mutter war‘s recht. Dafür war die Pilzrahmsoße echt gut. Frische Champignons, cremig, voller Pilzgeschmack. Geht doch. Nur was sich der Koch mit den Spätzlen geleistet hat, will sich mir nicht erschließen. Hatten die so einen Stress in der Küche? Schade um die Mühe… 2,5*
 
 
Foines Spaschelragout mit em panierte Schnitzelche vum Hinkel unn neie Kardoffele (17,50€)
(Feine Spargelragout mit einem panierten kleinen Schnitzel vom Huhn mit neuen Kartoffeln)
 
Hatten Schwesterchen und Ich! Mein erster Gedanke – was ist das? Der arme Spaschel… Ersäuft in einer Mehlpampe. Sorry, das war es nun mal. Da hat man versucht ganze zwei Stangen Spargel in Stücke zu schneiden und so weich zu kochen, dass die kaum noch Konsistenz hatten. Total verkocht. Und dann die Soße. Sollte wohl eine Bechamél sein. Nur schmeckte die nur nach Mehl, war nicht lange genug gekocht worden. Nicht gewürzt und zog sich wie Kleister. Das war nix. Geschmacklich war der Spargel an sich in Ordnung. Nur viel zu weich! Die neuen Kartoffeln waren geschmacklich okay, aber auch hier nur noch lauwarm. Zum Glück konnte das panierte Huhn überzeugen. Sowohl von der Würze und auch vom Bratzustand einwandfrei! Auch hier eine Enttäuschung! 2*
 
Die von uns getrunkenen Weine waren in Ordnung. Mama hatte auf Empfehlung von mir einen Weißburgunder (4,50€ / 0,2), Schwesterchen ließ sich von mir einen Portugieser Weißherbst feinherb aufschwätzen (3,70€ / 0,2), der Ihr so gut schmeckte, dass sie eine Flasche mitnehmen konnte, nur der Herr im Service wusste den richtigen Preis nicht (machte ihn fast 2€ teurer), woraufhin meiner Schwester die Lust verging. Ich entschied ich für einen Silvaner (4,00€ / 0,2) und war auch zufrieden.
Beim Abräumen reklamierte unsere Mutter erneut die Spätzle, man könne sie nicht essen. „Warum haben sie nichts gesagt? Ich hätte Ihnen etwas anderes gebracht…“ Hätte, wäre, wenn. Nochmal etwas beanstanden wollte Mama dann auch nicht. „Sie wolle es aber in der Küche weitergeben“. Ich nenne es mal ein Schuldgeständnis. Denn auf einmal stand die junge Dame mit drei Erdbeer-Likör-Secco-wasauchimmer neben uns. Mama lehnte ab. Auch einen Kaffee wollte sie nicht… Die Geschwister sagten nicht nein. Immerhin. Hätte mich auch gewundert, wenn keine Reaktion vom Weinhaus käme. Hier wird man stets korrekt behandelt. Schade nur, dass diesmal das Essen nicht dem gewohnten Standard entsprach. Ich hoffe echt, dass es eine Ausnahme war. Habe ich das Weinhaus Michel schon mal hier empfohlen. Passiert mir vorerst nicht mehr…
Kurz bevor wir gehen wollten noch ein kurzer Besuch im Keller. Dort befinden sich die Toiletten. Diese sind anständig und sauber. Als Clou wird der Handlauf der Treppe beheizt! (Das aber nur am Rande)
 
 
Fazit:
 
Essenstechnisch diesmal eine Enttäuschung. Kann mich erinnern hier mal so danebengegriffen zu haben. Der Spargel verkocht, die Spätzle kalt, dann (in altem Fett?) aufgewärmt, das Fleisch zu durch. Der Spundekäs war auch kein rheinhessisches Aushängeschild! Diesmal leider nur 2,5*. Trotz der guten Pilzsoße und den ordentlichen Schnitzeln.
Der Service ist auch mal so, mal so. Diesmal war er so. Erst Aufmerksam, dann wieder nicht da, Reklamationen wurden aber angenommen und akzeptiert. Dazu die Entschädigung aufs Haus. 3,5*
Der Innenraum ist für eine Mainzer Weinstube modern gehalten. Nicht zu dunkel, Weinflaschen lockern den Raum auf, die eigenwilligen Etiketten tun ihr Übriges. Man sitzt bequem, allzu Laut ist es auch nicht. Ambiente von daher 4*
Bei der Sauberkeit kann ich auch keine Mängel entdecken. Toiletten sauber, Tische gewischt. Passt. 4,5*
PLV, da muss ich diesmal Abstriche machen. 2* Nur zwei Stangen Spargel in unserem Spaschelragout, welches dann nicht mal schmeckte, da wird mir für das Gebotene zu viel Geld aufgerufen. Ich hoffe, beim nächsten Mal passt wieder alles.
 
3 – wenn es sich ergibt, wieder
 
 
(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder - nach "Küchenreise")
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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