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GastroGuide-User: simba47533
hat Gasthaus Zum Stiefel in 66111 Saarbrücken bewertet.
vor 5 Jahren
"Brauhaus und mit einer der ältesten Gastronomiebetriebe Saarbrückens direkt am St. Johanner Markt"

Geschrieben am 19.02.2015
Es existiert eine neue Bewertung von diesem User zu Gasthaus Zum Stiefel
Besucht am 05.12.2014
Der "Stiefel" im Besitz der Bierbrauerfamilie Bruch ist ein ganz typisches Brauhaus und streitet sich mit dem "Adler" in der Deutschherrenstrasse um den inoffiziellen Titel des "ältesten Gasthauses von Saarbrücken". Während ich mich im "Adler" persönlich wohler und besser aufgehoben fühle, besuchen wir auch ab und zu den "Stiefel", der eben sehr günstig direkt am Markt liegt. Aus meiner langjährigen Heimat, dem Rheinland, sind mir natürlich Brauhäuser (wie z.B. Früh am Dom, Sion, Reissdorf oder die Malzmühle in Köln, Schumacher in Düsseldorf oder Diebels in Issum) bestens bekannt, nicht zuletzt wegen ihrer deftigen Küche, dem leckeren Bier aus eigener Herstellung, der rustikalen Einrichtung und dem manchmal etwas rüden Umgangston der Servicekräfte, mit dem zumindest ich  sehr gut umzugehen weiss. Wer sich in Brauhäusern wohlfühlt ist auch im "Stiefel" grundsätrzlich nicht verkehrt; hier ganz speziell muss man allerdings damit rechnen, dass die Qualität des seitens der Küche Gebotenen durchaus kein konstantes Level aufweist und man dann eben auch mal Pech haben kann. Dazu gleich mehr, auch zu den beobachteten Mängeln in Sachen Hygiene. Wenn Tische über längere Zeit immer wieder mit dem gleichen (nicht gespülten) Lappen  abgewischt werden und wenn, quasi als Krönung des Ganzen, mit dem gleichen Lappen (der immer noch kein frisches Wasser oder Wasser grundsätzlich gesehen hat) das Servicepersonal am Pass Tellerränder "sauberwischt" bevor die Teller zum Gast gebracht werden wie am Nebentisch passiert, ist für mich der Gipfel des Zumutbaren eigentlich erreicht. Wäre es mir passiert, hätte ich den Geschäftsführer rufen lassen und wäre nach einem "klärenden Gespräch" gegangen.

Grundsätzlich ist der Service im "Stiefel" ganz in Ordnung, allerdings lassen sich die Damen oder Herren manchmal ganz schön Zeit ehe sie sich am Tisch wieder oder überhaupt blicken lassen.

Bestellt und (teilweise) gegessen haben wir mit vier Personen heute "Kross gebratene Entenbrust Herbstzeit auf Pinot Noir-Sauce mit Äpfeln und Birnen, Spätzle und Salatteller" bzw. "Rinderbrathen Barock wie zu Goethes Zeiten mit Klössen und Marktgemüse"; getrunken haben wir Bruch No.1 Pils, Bruch Landbier, Bruch Zwickel und abschliessend Espresso. Drei Personen hatten die Ente und damit Glück, eine Person hatte mit dem "Rinderbrathen Barock" den sprichwörtlichen Griff ins Klo getan; dazu gleich mehr.

Die Entenbrust kam in grossen Portionen, war schön rosa gebraten und schmeckte sehr gut; "kross" wie auf der Speisekarte annonciert war sie allerdings nicht. Eigentlich lernt jeder Kochazubi, dass die Entenbrust vor dem, Braten auf der Hautseite rautenförmig oder quadratisch leicht angeritzt, auf ebendieser Hautseite ohne Fett angebraten und die Hautseite nach dem Wenden mit Honig (am besten Ahornhonig) eingepinselt wird. Wird die Brust aus der Pfanne genommen und zum Garziehen noch kurz mit der Hautseite nach oben unter den Salamander gelegt ist die Haut anschliessend wunderbar kross, geradezu "crunchy"; diese Vorgehensweise im Zuge der Zubereitung scheint in der "Stiefel"-Küche entweder unbekannt oder in Vergessenheit geraten zu sein. Die gereichten Apfel- und Birnenspalten waren schön angedünstet und noch bissfest; die Spätzle kamen leider aus der Tüte und der Salat schwamm geradezu in einer recht einfaltslosen Vinaigrette. Besser als die Spätzle hätten die zum "Rinderbrathen" servieren Klösse zur Ente gepasst; die waren nämlich wirklich gut! Geheimrat Goethe hätte den "Rinderbrathen Barock" sicher unter Protest zurückgehen lassen; meine Frau hat ihn nach zwei Bissen für ungeniessbar erklärt und liegenlassen. Von einem Schmorbraten darf erwartet werden, dass er zart und mürbe ist, quasi auf der Zunge zergeht und man ihn ohne Zuhilfenahme eines Messers essen kann. Für diesen in der Karte so hochgejubelten "Rinderbrathen" , so zäh und sehnendurchzogen wie er war, hätte es eines Steakmessers bedurft, wenn er denn wenigstens geschmeckt hätte. Die dazu gereichte Sauce war von sehr wässriger Konsistenz und weitgehend geschmacksneutral, das Marktgemüse war zu Brei zerkocht. Der Service nahm entsprechende Kritiuk ungerührt zur Kenntnis; während der Preis  von EUR 18,50 für die Ente in Ordnung ging, war der "Rinderbrathren" mit EUR 17,80 absolut überbezahlt. Die Ente bewerte ich mit 4 Sternen, das völlig misslungene andere Gericht, dessen Namen ich nicht mehr in den Mund nehmen möchte, mit einem Stern; ergibt in Summe zweieinhalb Sterne oder, da halbe Sterne hier nicht möglich sind, in der Endabrechnung im Bereich "Essen" zwei Sterne.

Zur Hygiene im Hause "Stiefel" habe ich mich bereits geäussert; was ich in der Toilette vorgefunden habe  (unbrauchbar gemachte Toilettenpapierhalter, abgeplatzte Kacheln und schlecht zugegipste bzw. offene Löcher) macht keinen guten Eindruck auf den Gast. Hier müsste Bruch mal ordentlich Geld (woran es ihr sicher nicht mangelt) in die Hand nehmen und gründlich renovieren. Im derzeitigen Zustand sind solche Räume jedenfalls alles andere als eine gute Werbung.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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