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GastroGuide-User: simba47533
simba47533 hat Historische Tabaksmühle in 66119 Saarbrücken bewertet.
vor 8 Jahren
"Diesmal war es insgesamt besser als im vergangenen Jahr!"
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Geschrieben am 18.01.2016 | Aktualisiert am 22.01.2016
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Besucht am 17.01.2016
Vor Jahresfrist fast auf den Tag genau waren wir in der "Tabaksmühle" Gäste einer Geburtstagseinladung; damals (siehe meinen Bericht vom Vorjahr) hatten sowohl die Küche wie auch der Service sich nicht unbedingt mit Ruhm bekleckert. Der gleiche Jubilar hatte zu einem neuerlichen Geburtstagsessen an gleicher Stelle eingeladen. Da wir von etlichen Besuchen zuvor über die Jahre hinweg hier zwar Licht aber insgesamt mehr Schatten erlebt hatten, bin zumindest ich doch mit recht gemischten Gefühlen zur "Tabaksmühle" gefahren. Und zum  geringeren Teil fand ich meine Vorahnungen auch bestätigt. 

Offenbar ist es in diesem Gastro-Betrieb üblich, Geburtstagsgesellschaften  nicht im gemütlichen Gastraum (da müsste man ja Tische zusammenschieben und Stühle bewegen) sondern grundsätzlich im Saal zu platzieren. Ungemütlich und sehr hellhörig; Schallschutz ist hier offenbar ein absolutes Fremdwort. Wir waren in diesem Raum vier Geburtstagsgesellschaften; man kann sich sicher gut vorstellen wie laut es insgesamt war. Ging es gerade noch, sich am Tisch in einigermaßen normaler Lautstärke mit seinen direkten Nachbarn zur Linken und zur Rechten sowie dem direkten Gegenüber zu verständigen, wäre alles andere vergebene Liebesmüh gewesen. Mit diesem Saal konnte und kann ich mich nicht anfreunden und die Betreiberfamilie Bruch (Brauerei Bruch, "Stiefel", "Undine" und "Tabaksmühle") scheint wohl  nicht gewillt, über schalldämmende Maßnahmen auch nur ansatzweise nachzudenken; das würde ja Geld kosten und es soll ja kein Geld ausgegeben sondern welches verdient werden.

Eine andere Befürchtung war diesmal unbegründet: die Servicedame, die uns im vergangenen Jahr so unfreundlich und pampig bedient hatte, "beglückte" mit ihrem Wirken diesmal Gottseidank einen anderen Tisch; schön dass wir in Sachen Service nicht schon wieder die Arschkarte gezogen hatten. Uns bediente ein freundlicher und sehr beflissener junger Mann mit viel Eifer und noch nicht allzuviel viel Routine. Da haben wir über den ein und anderen kleinen Lapsus (die Vorspeisenbestecke wurden nicht mit den abgegessenen Vorspeisentellern abgeräumt und auch nachdem der letzte Gast am Tisch mit seiner Hauptspeise fertig war blieben Teller, Schüsseln und Bestecke  und  das Geschirr noch eine gefühlte Ewigkeit unabgeräumt) gerne hinweggesehen. Lieber einen freundlichen und etwas holperigen Service als einen abgewixten und schnippischen!

Am meisten hat mir aber doch gefallen, dass die Küche wieder einmal einen guten Tag erwischt hatte und wir damit natürlich als Nutznießer ebenfalls: bis auf meine Vorspeise, die so gut wie total daneben war (dazu gleich mehr) war diesmal so gut wie alles andere gelungen.Dabei muss ich sagen, dass es auch in einem Betrieb wie der "Tabaksmühle" möglich sein sollte, ausschließlich mit frischen regionalen Produkten zu kochen, aber vielleicht erwarte ich da einfach zu viel.-:)). So fand dann  doch speziell bei den Beilagen und ansatzweise auch bei den Desserts das ein und andere Convenience-Produkt bzw, TK-Ware Platz auf unseren Tellern. Doch der Reihe nach.

Nach dem Aperitiv (Cynar, Averna, Ricard bzw. Sherry) kamen die Vorspeisen Sonntagssuppe ("Rinderkraftbrühe mit Markklößchen" für EUR 4,80) und Schneckenpfännchen ("1/2 Dutzend Weinbergschnecken mit Kräuterbutter im Ofen überbacken", EUR 6,80). Leider hatte ich das Pfännchen und nicht die Suppe gewählt. Wäre ich, obwohl kein Saarländer, gefragt worden, ob mir die Schnecken geschmeckt hätten, hätte ich auf gut Saarländisch geantwortet:" Es war halt mol ebbes anneres!" Für Nicht-Saarländer als kleine Übersetzungshilfe: "Es war geradezu lausig!" Schnecken schmecken wie man weiß nach so gut wie nichts; hier soll es dann die Kräuterbutter richten. Wenn die dann allerdings nach noch weniger als nichts schmeckt, dann ist wirklich Hängen im Schacht. Die Suppe soll sehr schmackhaft gewesen sein, das etwas einsame Markklößchen (sie waren offenbar abgezählt zugunsten einer sehr üppigen Suppengemüsebeilage à la Julienne) auch. 

Zu den Hauptgerichten tranken wir Bruch No.1, Bruch Weizen, Apfelschorle, Gerolsteiner und Rotwein Château La Grave Expression Rouge 2011 Languedoch-Rousillon, Minervois AP. Dazu zitiere ich aus der Karte: "In seinem feinen Bukett verschmelzen würzige und pfeffrige Noten mit Aromen eingelegter Kirschen. Am Gaumen zeigt er sich geschmeidig mit sanften Tanninen. Fruchtiger Abgang mit einem Hauch von Süßholz." Lassen wir das ganze wie immer sehr blumige Vinologenspeech-Gedöns weg so bleibt unterm Strich: er hat geschmeckt und war süffig! Insofern also durchaus geschmeidig am Gaumen und die Kehle hinab.

Als Hauptgerichte hatten wir Hinkelsalat (für Nicht-Saarländer: Hinkel ist gleichbedeutend mit Huhn oder Hahn) ("Bunte Salate in Kräuter-Sahnedressing mit gebratenen Hähnchenbruststreifen und Champignons" für EUR 10,80), Schweinefilet ("Medaillons vom Schweinefilet mit Nußkruste, auf Rotweinjus, dazu Rahmwirsing und Serviettenknödel" für EUR 16,30), Mühlenspitz ( Gekochtes Rindfleisch, serviert mit Meerrettichsauce, knusprigen Bratkartoffeln und kleinem Salat" für EUR 14,50), Maishähnchenbrust ("Maishähnchenbrust im Speckmantel, auf Apfel-Cidresauce, mit geschmortem Kürbis und Spätzle" für EUR 15,80), Wiener Schnitzel ("Zarte Kalbsschnitzel, paniert, goldgelb gebraten, mit Pommes Frites und Salat" für EUR 17,80) sowie aus der Abteilung "Unser Fischvergnügen" (sollte es nicht eher das Fischvergnügen des Gastes sein?) ("Filets vom Wolfsbarsch auf Rotwein-Buttersauce mit Wirsinggemüse und Kartoffelstampf" für EUR 16,80). Fleisch wie auch Fisch waren perfekt gegart, die Sauce offenbar diesmal selbstgemacht und stimmig, die Salate knackig, das Gemüse geschmacklich sehr gut und die Bratkartoffeln wirklich fein knusprig. Ob die Serviettenknödel wirklich hausgemacht waren, darf angezweifelt werden; die Spätzle zu meinem Maishähnchen kamen jedenfalls hundertprozentig aus der Tüte! 

Auch die Desserts ließen leichte Zweifel an der genauen Provenienz zu; sie habe aber, egal ob selbstgefertigt oder aus der Supermarkt-Tiefkühltruhe,  durch die Bank weg geschmeckt. Es gab Crème brûlée ("Von der Bourbon-Vanille mit braunem Rohrzucker karamelisiert" für EUR 4,90), Apfelstrudel ("Ofenwarmer Apfelstrudel mit Vanilleeis und Schlagsahne" für EUR 5,50), Café Surprise ("Espresso mit Mini-Crème brûlée, Mini-Eiskugel und Mini-Küchlein" für EUR 6,80) und Maronenparfait auf Rotweinkirschen für EUR 5,80. Als Digestif rundeten Linie Aquavit, Jack Daniels Black Label und Kafee Creme (Original-Schreibweise auf dem Rechnungsbeleg) das Essen ab. Bis auf die kleinen Ungereimtheiten gab es im Bereich "Essen" keine Beanstandungen; eigentlich hatte ich viereinhalb Sterne gebe wollen, in Anbetracht der Tütenspätzle ziehe ich aber doch einen halben Stern ab. Das Preis-/Leistungsverhältnis ist in Ordnung. Fazit: Die Küche der "Tabaksmühle" gab heute ihr Bestes; beim nächsten Besuch sprich Geburtstagsessen kann dann aber schon wieder der sprichwörtliche Wurm drin sein. Schade dass das Niveau unserer Erfahrung nach nicht durchgängig gehalten werden kann; diesmal waren aber alle zufrieden und deshalb vergebe ich auch für den gestrigen Gesamteindruck vier Sterne.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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