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GastroGuide-User: ryanair456
hat Tropeano di Vino · Le Osterie Italiane in 30559 Hannover bewertet.
vor 4 Jahren
"Hochklassige Küche - doch leider als "Mannschaftsleistung": raus im Halbfinale"
Verifiziert

Geschrieben am 03.05.2015
Besucht am 02.05.2015
Hannovers Auswahl an italienischen Restaurants ist ja nicht ganz klein und man hat so seine „bevorzugten“ Anlaufstellen. Vom Tropeano di Vino in Hannover-Kirchrode hatten wir schon gehört. Also – ein  Blick über das „Zwischennetz“ auf die „Heimseite“ – und was sich dort so darstellte – hmm – war schon vielversprechend, insbesondere die Speisekarte machte durchaus Appetit. Also einen Tisch für uns reserviert – per Telefon: das ging schnell und war freundlich und sehr professionell.

Als wir kurz vor 19:00 eintrafen waren wir so ziemlich die ersten (ob das wirklich so war, kann ich nicht sicher sagen, da sich die tische  in dem kleinen Haus auf drei Ebenen verteilten).

Das Ambiente ist klassisch-gediegen, vorwiegend dunkles Holz, die Tische eingedeckt, dazu schöne Stoffservietten und solides Besteck von WMF, Wassergläser „San Pellegrino“, Weingläser von Spiegelau. Die Deko ist dezent, ein Teil des Inneren wird von Käsebuffet beansprucht (rechts neben der Theke) und der Gastraum durch  zum Teil offenes Fachwerk geteilt. Es gibt primär 2er  Tische, die dann bei Bedarf kombiniert werden können, dazu  noch ein paar größere.

Die Begrüßung durch zwei jüngere männliche Service-Kräfte war freundlich-professionell und wir wurden schnell zu einen 2er tisch geführt, in einer ruhigen Ecke. Die Jacken wurden uns nicht abgenommen, leider gab es auch keinen Hinweis auf die, am Fachwerk montierten Kleiderhaken nahe den Tischen (die meine Frau schnell entdeckte).

Auf dem eingedeckten Tisch stand eine Flasche Olivenöl, mit darin eingelegtem Rosmarin sowie ein „klassischer“ Salzstreuer.  Für den Anspruch, den die „Heimseite“ vermittelte, hätte ich hier  einen Salz- und eine Pfeffermühle erwartet.
Die Speisekarten wurden uns schnell gereicht, dazu ein Teller mit frischem Weißbrot. Es folgte die Frage nach Getränken. Wir bestellten einen Flasche stilles Mineralwasser (Aqua Panna 0,7 für 7,00 € ! – Kirchröder Preise ??? – ambitioniert!)
und fragten nach Champagner.  Den gab es leider nicht, man bot uns Berlucchi cuvee imperial brut an                  („methode champagne traditionelle“), wir bestellten. Auf der Rechnung  standen dann pro Glas 16,00 € / 0,1 - gut eingeschenkt - trotzdem – auch das finde ich „sehr ambitioniert“! – die Flasche liegt im Handel bei gut 19,00 € inkl. MwSt). Aber  der Berlucchi war gut gekühlt, feinperlig und wohlschmeckend, mit einer schönen trockenen Note.

Auf unsere Frage nach einer Tagesempfehlung musste sich der junge Mann vom Service erst einmal „schlau machen“ – als er aus der Küche zurück kam, konnte er  eine Empfehlung für vor- und Hautgericht  kundtun. Diese trafen aber nicht unseren Geschmack.

Eine „reguläre“ Getränkekarte – Fehlanzeige…meine Frage nach einer Weinkarte war ebenfalls nicht von Erfolg gekrönt – ja es gäbe einen, die wäre aber preislich sowie hinsichtlich der Verfügbarkeit nicht mehr aktuell – teilte mit einer der beiden freundlichen Kollegen vom Service mit. Er würde uns  aber gern einen Empfehlung aussprechen, wenn wir  unsere Speisen, insbesondere das Hauptgericht ausgesucht hätten.

Nach Aufnahme unserer Auswahl an Speisen empfahl der junge Ober, dass ich Vorspeise und Zwischengericht in der Abfolge tauschen sollte (warme Vorspeise als Zwischengang), ich nahm an. Als Wein empfahl  man uns einen Rosé von Ciró (0,7 f. 36,00 €) – wie sich dann  im Laufe der Speisenfolge herausstellte – eines sehr gute Empfehlung des jungen Mannes vom Service. Ein dunkler, kräftiger Rosé, mit  einer schönen fruchtigen Note nach Erdbeeren und  roten Johannisbeeren, ausgewogener Säure und rundem Abgang.

So langsam füllte sich das Restaurant mit weiteren Gästen und war im Lauf des Abends fast voll belegt.  
Wir warteten auf unsere Vorspeisen und dachten  daran, ob es wohl hier im Tropeano di Vino ein amuse geule gibt…und waren uns dann schnell einig, dass es  das nicht geben würde. Unsere Einschätzung wurde nicht enttäuscht!

@doc – das was jetzt kommt, ist nichts für Dich!

Nach gut 20 Minuten kamen unsere Vorspeisen – das Weißbrot war mittlerweile gegessen. Der verwaiste Brotteller verbliebt auf dem Tisch, ebenso die leeren  orig. Berlucchi-Gläser.

Meine Frau hatte ein Carpaccio von dünn geschnittenen, gebratenen Scheiben von Kräuterseitlingen, an Topinambur-Püree (laut Karte Topinambur-Törtchen) & Topinambur-Chips sowie Gremouladen-Sauce und etwas Salatbeilage (14,50 €). Ich durfte probieren. Rumms – ein Knaller, alle Zutaten geschmacklich sehr gut, fein gewürzt und gut kombiniert.

Das Carpaccio vom Kalb mit Gambas - in Sesam-Tempura gebacken - + Salatbukett (16,50 €) war meine Vorspeise. Die Scheiben vom Kalb hauchdünn geschnitten, mit Olivenöl & Zitrone perfekt gewürzt. Etwas Dressing, mit geröstetem Sesam. Einfach lecker! Es war  übrigens ein Gamba, halbiert –sah aber aus wie zwei – auf den Punkt gegart Das  war „verdammt“ wohlschmeckend. Eine tolle Kombination.

Bei Zwischengang, hier setzte meine Frau aus, folgte gut 15 Minuten auf die Vorspeisen. Meine bessere Hälfte aber  - wie von meiner Vorspeise auch, probieren: Glasierte Wachtel – an Kichererbsen-Püree, mit zusätzlichen Kichererbsen und Salatbeilage (15,50 €). Das Wachtelfleisch mit ganz dezenter Wildnote, zart und saftig, das Püree passend als Kombination, mild gewürzt, die Kichererbsen  mit noch etwas Biss, die Sauce kräftig. Ein Gedicht!

Gern hätte ich die mit etwas Brot aufgenommen – aber hier fehlt die Aufmerksamkeit des Service.  Die Frage, ob wir nicht noch etwas Brot möchten, kam erst, nachdem der Zwischengang verzehrt war. Nach dem der Teller meiner Zwischenspeise abgetragen wurde,  nahm man sich endlich auch der beiden leeren Berlucchi-Gläser an…

Bis zur Darreichung der Hauptgerichte verweilten wir mit dem Genuss des Rosés. Zwischendurch wurden wir von Patrone Biagio Tropeano, der von Tisch zu Tisch ging,  begrüßt. Nach gut 25-30 Minuten wurden diese serviert – die Teller waren schön heiß.

Frauchen hatte sich für Livorner Tomaten-Zwiebel-Cassolet mit Grieß-Gnocchi und Rotbarbe an Kräutern entschieden (22,80 €). Die Rotbarbe war  auf den Punkt gegart, sehr wohlschmeckender herzhafter Geschmack, das Cassolet mild und fruchtig. Statt der Grieß-Gnocchi gab es aber zwei Stück einer leicht einseitig angebratenen Mais-Polenta. Auch hier wiederhole ich mich: gute hochwertige Zutaten, schön zu einem tollen Erlebnis für Zunge und Gaumen kombiniert.

Für mich durfte es ein Stück „dry aged beef“ mit roten Mangold und gratinierten Taleggio-Kartoffeln (26,50 €) sein. Serviert medium-rare – perfekt für dieses Stück Fleisch – in gut bemessener Größe, schon in Streifen geschnitten, mit zarten, sehr toll schmeckenden kleinem Fettrand. Der Mangold auf dem Kartoffel-Törtchen  sehr frisch und saftig, von Taleggio war  nicht ganz so viel zu schmecken – ich fand ihn als hauchdünne gebräunte Schicht  am „Boden“ der Kartoffelbeilage – die von der Konsistenz an Kartoffelstampf erinnerte. Die Sauce dazu dem Fleisch entsprechend: schön würzig leicht reduzierter Bratenfond. Auch dies ein  handwerklich perfekt zubereitetes Gericht – mit einer kleinem Schwäche: der Kartoffelbeilage, die etwas blass war. Aber das ist „Nöhlen“ auf sehr hohem Niveau.

Nun ja…ein Dessert haben wir uns jeder dann auch noch  gegönnt.

Gratinierten Rhabarber – noch mit etwas Biss, nicht zu stark gesüßt - unter einer Teighaube, dazu selbstgemachtes Mandeleis (noch nie so gut gegessen) – 6,50 €, für meine Frau.

Schokoladen-Ravioli, gefüllt mit Pistazien-Creme, an Himbeer-Sauce, Haselnuss-eis und kandierten Nusssplittern (7,50€) – sehr lecker, eine tolle Idee, mit dem kakaohaltigen Nudelteig. Das Haselnuss-Eis: unbeschreiblich lecker – das war mein Ding!

Auf einen Digestif haben wir verzichtet, ich nahm noch einen Espresso (3,10 €!)

Nun – vor dem Fazit noch ein paar Randpunkte: Sauberkeit der Örtlichkeiten – top !!! aber mal wieder – wie so oft: nur kaltes Wasser zum Händewaschen…auf der Sitzbank lagen beim Eintreffen deutlich sichtbar zwei größere Weißbrot-Brösel…und die blieben auch dort…Spinnweben zeigten sich an der Decke und so mancher Lampe…das passt nicht zum dargestellten Anspruch des Restaurants.

Zahlung: laut GG werden MasterCard & Visa akzeptiert – effektiv wird auf Zahlung per EC bestanden.

Fazit: Tolles Essen, handwerklich perfekt, gute Zutaten – die Küche macht Ihren Job auf hohem Niveau mit viel Können. Der Service hat  für meine Begriffe viel Luft nach oben und hinkt dem Anspruch des Tropeano  leider deutlich hinterher. Das PLV ist beim Essen, in Anbetracht der Qualität, Kreativität und Quantität unterm Strich - für meine Begriffe absolut in Ordnung. Die Kalkulation  der beiden Spumante, des H2O und des Espresso hart an der Grenze - wäre akzeptabel, wenn das „Ganze“ passen würde – tut es aber in meinen Augen nicht. Der Zauberlehrling  sowie das Tesoro  bieten besseren Service und fairer kalkulierte Getränkepreise. In beiden Restaurants  fühlten wir uns bei unseren Erstbesuchen wirklich als willkommene, geschätzte Gäste.
Mit dem „Ortszuschlag“ Kirchrode ist das im Tropeano di Vino nicht zu rechtfertigen. Für uns gibt es bessere alternativen- daher: wohl kaum noch mal.
Daher als Gesamtwertung max. 4* - schade – eigentlich…
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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