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GastroGuide-User: Carsten1972
hat Orangerie - Die Schloss-Brasserie in 03222 Lübbenau/Spreewald bewertet.
vor 3 Monaten
"Feiner Lunch in der Frühlingssonne"

Geschrieben am 04.04.2019 | Aktualisiert am 05.04.2019
Besucht am 03.04.2019 Besuchszeit: Mittagessen 1 Personen Rechnungsbetrag: 36 EUR
Wieder mal auf der Rückfahrt von Ostrava in Tschechien telefonierte ich auf der A15 fahrend mit meiner Frau und bekam berichtet, wie ungemütlich das Wetter im Sektor (für alle nicht WDR Hörer=NRW) war! Häh? Ich fuhr durch Sonnenschein, und das Thermometer im PKW zeigte für Außen 19° an. Menno, da hatte ich keine Lust drauf! Also noch Sonne genießen, bevor an der Zonengrenze die Wolken aufkommen würden!

An CB war ich vorbei, wohin an einem Mittwochmittag, die Möglichkeiten würden in kleinen Orten sehr eingeschränkt sein. Aber rechts von mir begann der Spreewald und mit dem touristischen Angebot dort würden die Chancen auf einen angemessenen niveauvollen Mittagstisch steigen. Kurz überlegt nach Burg zu fahren, dort glänzt ja ein Stern im Resort zur Bleiche, aber ich war nicht sicher, ob es dort ein Mittagsangebot gibt, dass werde ich aber mal bei einer Übernachtung testen, fest vorgenommen. Letztlich entschied ich mich für Lübbenau, da sollte es was geben, da war ich mir sicher und es ist kein großer Umweg, runter von der A15 und drauf auf die A13, weiter nach Berlin.

Also suchte ich mir einen Parkplatz in Lübbenau und ging in strahlendem Sonnenschein durch den Ort, um zu schauen, was sich zur Einkehr anbot, gerne draußen in der Sonne. Wie erwartet war in der Altstadt mit den zahlreichen Fließen schon ordentlich was los, und die meisten Restaurants hatten ihre Terrassen geöffnet. Ich wollte einmal komplett durch den Ort und dann entscheiden wohin, somit landete ich am Ende der Übersichtstour im Schloss Lübbenau, siehe mein Bericht von 2017. Beim Gang durch den Schlosspark erblickte ich die Orangerie hinten im Park, zu der ich auch 2017 schon ein paar Zeilen geschrieben hatte.

Wintergarten, Sonne, Terrasse, dass sollte doch passen, und anständige Küche sollte durch den Verbund mit dem Schlosshotel auch sicher gestellt sein. Also Essen in der Orangerie, Entscheidung gefällt. Hinein in die Stube durch den Eingang und erst mal Ambiente bewundert.

Wow!

Noch mal Wow! Das war schon sehr edel und hübsch! Dieser Fliesenleger hätte meine finanziellen Möglichkeiten vermutlich überfordert! Sehr, sehr schön! Aber noch schöner der Blick durch die nach Süden ausgerichtete Glasfront, eben eine Orangerie, nach draußen.

Die Frage nach einem Tisch war beim eintreten schon positiv beantwortet, meine jetzige Frage nach Speisen auf der Terrasse war ebenso kein Problem für den Service. Innen waren eine Menge Gäste, was seinen Grund hatte, dass Restaurant Linari im Schloss selber wurde renoviert und die Gäste momentan in der Orangerie verköstigt. Ich nahm also Platz und der Service reichte mir Karten und fragte nach einem Getränk. Kein Wein, ich hatte noch 500 KM vor mir, eine Apfelschorle wurde bestellt und ich blickte in die Karte. Drei Seiten, das war die schon bekannte, recht kleine, aber frische und ausreichend anspruchsvolle Küche aus dem Linari. In der Zwischenzeit servierte der Service mit der Schorle einen kleinen Gruß der Küche.

Leider keine Ansage des Service, was das war, aber es stellte sich als Butter heraus, tomatisiert, und noch mit einem anderen Gewürz, insgesamt mediterran. Bockelhart, dadurch zu Beginn geschmacklos, aber nach 10 Minuten Sonnenschein ergaben sich auch Aromen. Gut abgeschmeckt war das. Könnte man sich im Schlosshotel Lübbenau jetzt dazu durchringen, dass bedauernswerte, und deswegen nicht fotografierte, Convinience-Baguette durch frisches Stück Bäckerhandwerk zu ersetzen, wäre es perfekt!

Starten wollte ich mit Suppe

Tomaten-Orangen Suppe, Bohnen, Chorizo, Spinatstreifen nannte sich das auf der Karte. Wilde Mischung, würde das funktionieren? Aber ich bin ja immer für Neues zu haben, also bestellt. Tomate, so sah es aus. Orangen(saft) Aroma, ganz viel dabei, aber das harmoniert. Drin in der Suppe kleine schwarze Kugeln, die Bohnen, recht bissfest, geschmacklos und ohne Auswirkung auf das Gericht, aber zusammen mit der angebratenen scharfen Wurst, kam ein bisschen Chili Feeling auf. Diese Assoziation bildete sich im mir beim Verzehr, es schmeckte ganz gut. Was aber soll der frische Spinat oben auf diesem mundfüllenden Suppenaroma? Schöne Deko, aber er hatte nicht den Hauch einer Chance auch nur einen Bruchteil Aroma beizutragen. Weiter ging es ganz klassisch

Wiener Schnitzel, Schnitzel Linari genannt, Restaurantname im Schloss. Etwas kleiner, aber das war ja durchaus nicht unangenehm als Mittagsgericht. Zubereitet war das Schnitzel ohne Tadel. Dünn geklopft, paniert und dann so ausgebraten, dass die Panade schön Blasen geworfen hatte. Gut! Beilage waren Salzkartoffeln und auf einem extra Teller

Leinöl, Sahnequark, Zwiebeln, Gurken, Tomate, Schnittlauch. Und ich gebe zu, diese Beilagen hatten nicht unerheblich dazu beigetragen, das Schnitzel zu bestellen. Das Öl aus einer Spreewälder Ölmühle kam im kleinen Fläschchen  an den Tisch, aus dem goss ich es über Kartoffeln und Quark. Sah lecker aus

und roch und schmeckte noch besser. Ich bin in einem Dorf groß geworden, in dem es eine funktionsfähige Wasser-Öl-Mühle gibt und der Trägerverein produziert regelmäßig frisches Leinöl. Ich liebe das über Kartoffeln, mit ein wenig Salz, aber auch sehr über Quark. Klein geschnittene Kräuter gab es noch dazu. Beilage genauso gut wie das Hauptgericht. Gibt es ja auch nicht so häufig, wieder ein gute Wahl. Ging noch ein Dessert? Mal gefragt, was so im Angebot war. Bei einer Ansage entschied ich "Ja, ich nehme noch was".

Crème brûlée sollte es sein. Mit einem Espresso kam die dann nach einer Viertelstunde an den Tisch. Und jippie, kein Krimskrams oben drauf! Das mag ich nicht, wenn die frisch geröstete warme Kruste durch Obst gleich wieder labbrig wird. Lasst es einfach weg oder macht es wie die Orangerie im Schloss Lübbenau, packt es auf einen Extrateller. Extralob dafür von Carsten!

Hier esse ich wieder Crème brûlée. Fazit über alle drei Gänge: gute Entscheidung, das Mittagessen in einen Schlosspark abseits der Autobahn zu legen, gute Entscheidung, in die Orangerie einzukehren, und gut gewählt bei den Gängen, was will man also mehr.

Der Service verrichtete seine Arbeit professionell, vielleicht etwas sehr distanziert, aber er hatte drinnen sehr gut zu tun und musste sich immer wieder um den einzelnen Gast draußen kümmern. Nach mir entschieden sich aber weitere Gäste für draußen als Platzwahl.

So habe ich also beide gastronomischen Einrichtungen des Schlosses Lübbenau bewertet und bei beiden ist klar, ist man in Lübbenau auf der Suche nach einer Einkehr mit sehr ordentlicher Küche, dann kann man sich hier ohne große Befürchtungen niederlassen zum speisen.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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