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GastroGuide-User: kgsbus
hat La Cuisine Rademacher in 51069 Köln bewertet.
vor 3 Wochen
"Ordentlicher Lunch"

Geschrieben am 25.08.2019
Sehr allgemein vorweg

Das muss ich jetzt einmal loslassen: Muss, kann oder soll ich mich über „neue Konzepte“ in der „gehobenen“ Gastronomie freuen?
Da wird im Kölner Stadtanzeiger im Lokalteil (24.8.2019) über das „Taku“ berichtet. Es öffnet nach der Sommerpause wieder und bietet nun „Geteilte Freude“ an: Mehrere Gerichte kommen gleichzeitig auf den Tisch – sollen aber auch nicht „Tapas“ genannt werden. Da sie aus den „neuen“ Bereichen kalt, flüssig, warm oder süß stammen, geht das wohl gut.
Am Tisch kann man dadurch gleichzeitig mehrere Sachen probieren und ggf. auch mit Nachbarn tauschen.
Damit soll „Unterhaltung“ geboten werden. Das „jüngere“ Publikum will eben nicht lange rumsitzen und vielleicht drei Stunden essen (es geht hier wohlgemerkt nicht um einen Lunch, sondern um ein Abendessen, denn mittags öffnet das Lokal gar nicht; früher schon und ich war mehrmals dort und es hat mir damals ausgezeichnet geschmeckt).
Mehr als fünf Komponenten sollen es auch nicht pro Gericht sein, damit niemand „überfordert“ wird. Alle Teller sollen auch den gleichen Umfang haben: Also nicht wie Vorspeise, Hauptgang, Nachtisch aussehen.
Auch „astrein“ arbeitet mit dem Konzept „Geteilte Freude“: alles auf den Tisch. Aber eben nur mittags wegen der kurzen Pausen der arbeitenden Bevölkerung. Für langsame Menschen wie mich gibt es aber auch ein Menü – kostet dann aber auch das dreifache. Doch das ist mir immer noch lieber als etwas hungrig nach Hause zu gehen.

Der Lunch im „Vendome“ (nur Samstag und Sonntag) hat nach der Sommerpause nebenbei bemerkt einen neuen Höchstpreis erreicht. Mit sehr vielen Grüßen und vier Gängen sind nun 165,00 Euronen fällig – ohne Wein, aber mit Wasser, Kaffee und Begrüßungschampagner. Aber eben ein Erlebnis ohne Einschränkung bei den Komponenten.

Da lobe ich mir die „Post“ in Odenthal: Für acht Gänge und Grüße sind für das Degustationsmenü – ohne Getränke – 125,00 € zu entrichten und daneben sind weitere Angebote an Speisefolgen und die freie Wahl aus der Karte zu haben.

Das „La Cuisine Rademacher“ gehört also auch in die Garde der Konzepte Lunch und Dinner nur getrennt ein. Um in Dellbrück Gäste zu bekommen, die Spaß am Essen haben, muss man sich wohl sehr viel Mühe geben. Deshalb gibt es einen Mittagstisch aus drei Gängen für 18,90 € und täglich ein anderen Hauptgang; die Vorspeise und der Nachtisch wechseln wöchentlich.
Aus der Hauptkarte gibt es nur abends, weil zu wenig Menschen mittags danach verlangen. Und das rechnet sich nicht und es würden auch frische Zutaten bis abends nicht mehr zu verwenden sein.
Das kann ich wirtschaftlich gut verstehen. Der Lunch ist dann aber auch etwas spartanisch in der Anrichtung und die Gerichte erscheinen sehr überschaubar. Aber was auf dem Teller kommt, ist durchaus schmackhaft. Und das Essen dauert keine Stunde, weil es recht zügig geht.
Ähnlich läuft es auch bei „Tanica“ und „Henne“ zum Beispiel - und da hat mir der Mittag auch nicht so ganz zugesagt.
Mittags in Köln scheint daher „maiBeck“ mit seinem Menü immer noch konkurrenzlos in Qualität und Preis zu sein.
Sonst (außer Imbiss oder Schnellrestaurant) wird meist gar nicht geöffnet oder eben nur mir reduzierter Auswahl (wenn es jedoch etwas Besonderes am Mittag sein soll, gibt es schon: Le Moissonnier, Alfredo oder Zur Tant – letzteres Lokal aber mit öffentlichem Nahverkehr schwer zu erreichen).

Als Ergebnis meiner Überlegungen muss ich für mich feststellen, dass ich für einige Lokale nicht mehr zeitgemäß bin:
Ich mag „schöne“ Teller mit etwas Dekoration (einfach kann ich selber zu Hause).
Die Komponenten müssen harmonieren oder Gegensätze herausarbeiten; es dürfen dann auch mehr als fünf sein. Gerade darüber kann man sich austauschen. Es dürfen auch mittags mehrere Gänge sein, die unterschiedlich groß sind und nacheinander kommen.
Wenn es denn überhaupt unterschiedliche Menüs gibt und andere das nutzen, probiere ich auch gerne vom Nachbarn; aber wenn alle das „Einheitsessen“ haben, kann ich nur einen Teller, der mir nicht schmeckt mit jemanden tauschen, der etwas hat, was ihm nicht schmeckt und das muss auch noch passen.
Mich schrecken auch Tischdecken und Stoffservietten nicht ab und der Service sollte auch geschult sein.

Aber das soll kein „Klagelied“ sein, sondern nur meine Meinung zum aktuellen Zustand in der Gastronomie verdeutlichen. Ich halte es deshalb mit Adenauer: Die einen kennen mich und die anderen können mich. - Ich finde immer wieder neue Lokale, die mir zusagen und eben die Reihe meiner „Klassiker“ auf die Verlass ist.
Das Kölsche Grundgesetz sagt dazu in Artikel 5: Et bliev nix wie et wor. und natürlich Artikel 2: Et kütt wie et kütt.

Ambiente

Von außen sieht das Haus eher unscheinbar aus. Innen ist es aber stimmig eingerichtet. Blanke Zweiertische mit ordentlichen Sitzgelegenheiten schaffen eine Bistro-Atmophäre. An den Wänden finden sich einheitliche ruhige Farben. Dekoration ist zurückhaltend eingesetzt. Stoffservietten gibt es auch am Platz. Es sind Gläser und Besteck für zwei Gänge eingedeckt.
Das sagt mir durchaus zu – bei vollem Haus würde mich jedoch die Nähe der Tische zueinander stören.

Sauberkeit 

Alles wirkte gut gepflegt.

Sanitär

Die Toiletten sind im Keller. Auch hier ist alles sauber und ordentlich. Vielleicht etwas eng im Raum. Aber auch hier Stoffhandtücher vorhanden, was ich sehr schätze.

Service

Ein Mann und eine Frau waren als Kellner*innen im Einsatz; wobei der Mann einen kompetenteren Eindruck machte und sich auch zu Getränken äußerte. Beide waren jedoch freundlich im Umgang und fragten nach Wünschen und dem Befinden.

Die Karte(n)

Mittags gibt es täglich ein kleines Drei-Gänge-Menü (18,90 €) – die komplette Karte gibt es in der Regel nur abends (man kann aber für eine kleine Runde bei einer Vorbestellung auch andere Speisen bekommen – Geburtstag etc.).

Die verkosteten Speisen

Brot und Aufstrich

Das Brot war frisch. Es erinnerte im Geschmack etwas an Focaccia: Etwas ölig außen, locker im Teig, aber ohne Kräuter. In einer kleinen Schale war ein Tomatenkompott. Es war relativ wenig gewürzt, aber schöne leicht süße Aromen.
Das Brot wurde auch nachgereicht.

Klare Tomaten Bouillon mit Radieschen und Kirschtomaten

Die Suppe hatte einen leichten Rotton, war aber klar und leicht gebunden. Die Tomaten waren deutlich zu schmecken. Als Einlage waren kleine rohe Spalten vom Radieschen und eine halbierte kleine kräftige Tomate. Das weiche Innere oder die Kerne waren nicht entfernt. Als Dekoration befand sich auch noch ein kleiner Ast Erbsengrün auf der Bouillon.
Das war eine ordentliche Kaltschale ohne viel Gedöns.

Lachs Label Rouge, Reibekuchen, Honig-Senf-Dill-Sauce

Auch dieser Teller war nicht besonders angerichtet. Das Lachsfiletstück lag leicht rechts mittig auf dem großen Teller. Etwas mehr oberhalb und links befanden sich die beiden Reibeküchlein leicht übereinander gelegt.
Die Sauce wurde separat in einer Schale gereicht.
Der Fisch war oben ein wenig angeröstet und relativ rosig zur Mitte hin.
Etwas mehr Salz oder Pfeffer wäre denkbar gewesen. Ich fand ihn perfekt zubereitet. Meine Frau hätte ihn etwas mehr gegart gewünscht, fand ihn aber ebenfalls von ansprechender Qualität.
Die beiden Reibekuchen waren außen knusprig und innen noch leicht weich. Also genau richtig. Auch mit Salz war vorsichtig umgegangen worden, was wir gut fanden; denn wir wollen die Kartoffel noch schmecken. Sie waren auch außen entfettet worden. Es hätte auch noch ein drittes Küchlein auf den Teller gepasst – freier Platz war genug vorhanden.
Dass die Sauce nicht auf dem Teller war, fand meine Frau sehr gut; denn sie mochte die Aromatik nicht.
Mir erschien die Kombination aber gut gelungen und abgeschmeckt. Die Sauce hatte eben süße und saure Elemente und passte gut zum Fisch und auch zum Reibekuchen. Mit einem letzten Brotstückchen habe ich noch Reste der Sauce aufgenommen.

Mango-Eis, Basilikum-Schaum

In einer kleinen Schale kam auch der Nachtisch zu uns. Meiner Frau hätte ein rechteckiger flacher Teller mehr zugesagt. Sicher wären dann die beiden Komponenten etwas mit Distanz platziert worden; so drückten sie aneinander, was den optischen Eindruck etwas schmälerte.

Das Mangoeis hatte feine fruchtige Aromen. Es war zu einer Nocke geformt worden. Die Konsistenz war fluffig. Es war leicht angetaut und so weich und cremig. Daneben war der Basilikumschaum platziert. Er war leicht grün und wirklich luftig ; er sah wie eine Creme aus, war aber eben viel leichter im Mund. Die Würze nach Basilikum war dezent zu spüren. Am Rand waren noch etwas Knusper und kleine Baiserbruchstückchen. Sie wären auf einem flachen Teller sicher mehr zu Geltung gekommen.
Weil ich keine Haselnüsse vertrage, wurde bei meinem Schüsselchen auf die dritte Komponente ganz verzichtet – die Baiserkrümmel hätte ich aber sicher genommen. Doch vielleicht waren Nüsse und Baiser schon vorher vermischt worden; dann war es sicher richtig, sie wegzulassen. Aber eine kleine optische Ergänzung in Form einer anderen Beilage hätte ich schon begrüßt.

Auch zum Espresso gab es kein Plätzchen oder ein Petit four (beim ersten Besuch schon noch).
Der Geschmack des Kaffee war völlig in Ordnung.

Getränke

1,0 l La Cuisine-Wasser mit Kohlensäure – 4,90 €

2018 „You´ve got a friend“ Weißwein trocken BIO - Weingut Zähringer - Cuvée aus Johanniter, Weißburgunder, Müller-Thurgau, Muskateller & Bacchus – 0,15 l – 7,50 €

Espresso – 2,40 €

Preis-Leistungs-Verhältnis

Insgesamt war der Menüpreis durchaus angemessen. Der Wein wird vielleicht etwas zu hoch berechnet; denn die Flasche bekomme ich im Geschäft fast ganz für den Preis. Das Wasser wird in einem klaren Glasgefäß gereicht und vielleicht in der Küche mit Kohlensäure versetzt; schließlich weiß jeder (laut Bläck Fööss) „ Dat Wasser vun Kölle es jot...“.

Fazit

3 – wenn es sich ergibt.
Um ein komplettes Bild der Küche zu bekommen, müsste ich sicher abends herkommen bzw. das Degustationsmenü probieren. Von Gladbach aus bin ich schnell mit der S-Bahn in Dellbrück; aber mit dem Bus auch nicht viel länger bis nach Odenthal unterwegs: In der Post hat Marlon Rademacher gelernt. Dort weiß ich, dass es mir schmeckt, hier muss die Neugier erst angestachelt werden. Aber ich halte auch viel vom Motto: Stay hungry, stay foolish!

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Besuchs: 23.08.2019 – mittags – 2 Personen

Meine Genießer-Erlebnisse stehen auch bei http://kgsbus.beepworld.de/archiv.htm

Gesamt – Service – Sauberkeit – Essen – Ambiente  - P-L-V 

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