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GastroGuide-User: simba47533
hat Gasthaus Zum Ochsen in 66606 Sankt Wendel bewertet.
vor 3 Monaten
"Ja, er lebt noch, er lebt noch, er lebt noch; ja, er lebt noch, er lebet noch......."
Verifiziert

Geschrieben am 24.08.2019 | Aktualisiert am 25.08.2019
Besucht am 24.08.2019 Besuchszeit: Mittagessen 2 Personen Rechnungsbetrag: 41 EUR
Diese Feststellung gilt nicht nur für den alten Holzmichel sondern auch für das "Gasthaus zum Ochsen", erstmals 1620 urkundlich erwähnt und somit das älteste Gasthaus im Saarland. Das hodenlose Hornviech war, nachdem ihm das letzte Halali bereits geblasen war und es sich auf direktem Weg in die ewigen Jagdgründe befand, nach längerer Schaffenspause in letzter Minute dem Gastrotod von der Schippe gesprungen. Im Frühsommer 2019 wurde mit einem neuen Betreiber wiedereröffnet.

Meine Frau und ich sind normalerweise zweimal pro Jahr in Sankt Wendel: zum Ostermarkt und zum Weihnachtsmarkt. Ausser der Reihe gibt es an diesem Wochenende rund um den sogenannten Dom den Markt LebensArt (Kunst und Handwerk). Meine Frau erreichte telefonisch gestern jemand im "Ochsen"; dieser ist im Internet auf der Seite St.Wendel erleben - Zu Essen und zu Trinken (www.st-wendel-erleben.de) seit längerem gestrichen. Also für heute 13 Uhr flugs einen Tisch bestellt. Denn bei nahezu allen Marktbesuchen haben wir  sehr gerne im "Ochsen" gegessen, sofern nicht "wegen Krankheit" dauergeschlossen war.

Ambiente: Zuerst das einzig Positive: man kann jetzt auch draussen sitzen. Nun das Negative: Während im Nebenraum (vormals ein Metzgerladen) das unrsprüngliche  Ambiente weitgehend erhalten geblieben ist, wurde im Hauptraum gewissermassen mit der Abrissbirne zu Werke gegangen. Die Devotionalien und Reliquien aus über 100 Jahren saarländischer Motorsportgeschichte (Plakate, Fotos, Autogrammkarten, Urkunden, Pokale etc.) sowie kleine Gemälde etc. sind alle weg; dafür gibt es einige wenige Fotos, darunter zwei vom früheren Sankt Wendeler Bürgermeister Bouillon, der, als Bürgermeister zu alt, nun endgelagert als saarländischer Innen-, Sport-, Bau- und vor allem Ankündigungsminister sein Leben fristen muss. Der Charme des "Ochsen", das Flair, die Gemütlichgkeit und das Alleinstellungsmerkmal als urigstes Gasthaus der Stadt sind unwiederbringlich dahin. Es ist ungemütlich hier geworden; mehr als eineinhalb Sterne kann ich für das Ambiente beim besten Willen nicht geben. P.S. Während die Damenwelt die ihnen zugedachte Toilette dank entsprechender Beschilderung problemlos findet, tappen die Herren buchstäblich im Dunkeln, sofern sie nicht schon mehrmals den "Ochsen" besucht haben: kein Hinweisschild, kein nix!  

Sauberkeit: alles sauber, auch die schwer in die Jahre gekommenen Toiletten. Fünf Sterne.

Service: Zunächst agierte hier ein sichtlich überforderter Kellner; es haperte sowohl mit der Koordination (welche Gäste haben wann was bestellt, wie bringe ich wann was an den Gast) als auch an Übersicht und Contenance. Ehe er komplett ins Schleudern geriet, schaltete sich eine blonde Dame, offenbar die Wirtin, ins Geschehen ein. Ein Kellner war ausgefallen und sie bügelte wenigstens die gröbsten Schnitzer ihrer einzigen Kraft aus, bevor eine kurzfristig angeheuerte Aushilfe aus dem Serviceduo ein Servicetrio machte. Wie der Kellner der Aushilfe ihren Aufgabenbereich zuwies, bekamen wir akustisch mit. Es war als ob der Blinde der Einäugigen etwas von der Farbe erzählt. Wie von Zauberhand stand plötzlich noch eine weitere Person hinter dem Tresen; ab da ging es zusehends flotter. Trotzdem ist es ein absolutes Unding, wenn die Beilagensalate schon an den Tisch gebracht werden während das durstige Volk auf die längst bestellten Getränke wartet. Bis die bereits gezapften und servierbereit auf dem Tresen stehend den Weg von dort zum Gast fanden war mancher Schaum schon längst in sich zusammengesackt. Dass der Service bei voller Besetzung flott und zügig arbeitet mag sein; meine Bewertung ist aber eine Momentaufnahme und da war der Service eben mies und deshalb auch nicht mehr als eineinhalb Sterne wert.

Essen und Trinken: Hatte der "Ochsen" zuvor ein sehr gutes Konzept  und eine nur kleine aber feine Karte gehabt, hat nunmehr kulinarisch eher der Wildwuchs Einzug gehalten. Da wurden wirklich die hintersten Ecken ausgefegt, um möglichst viele unterschiedliche Geschmäcker bedienen zu können. Dass sich der "Ochsen" damit als ein beliebiger Gastro unauffällig unter vielen ähnlichen bzw. gleichartigen Betrieben einreiht, ist dem neuen Betreiber offenbar vollkommen gleichgültig.

Meine Frau trank nach langer Wartezeit eine kleine Apfelschorle (0,4l EUR 2,20), ich bekam ein Früh Kölsch vom Fass (0,2l EUR 2,00), nach dem Essen noch einmal eines und dazwischen zum Essen einen Primitivo (0,25l EUR 4,00).Das Kölsch, vor allem das zweite, schmeckte frisch; den Primitivo habe ich eigentlich mit etwas mehr Wumms  in Erinnerung. Na ja, wir waren ja schon froh überhaupt etwas im Glas zu haben.

Auf Vorspeisen und Desserts hatten wir, möglicherweise in weiser Vorahnung, verzichtet. Meine Frau hatte als Hauptgericht   "Rahmschnitzel mit Champignons, Salat und Pommes" (EUR 13,50) geordert; für mich gab es "Brust vom Bauernhähnchen mit Currygemüse und Kokosmilch, Reis, Salat" für EUR 17,50. Schnitzel (paniert mit Soße darüber; im Gegensatz zu meiner Frau mag ich das überhaupt nicht) und Hähnchen waren wirklich gut, die Pommes ebenfalls  und mein "Currygemüse" bestand nicht nur aus Gemüsen sondern auch aus Weintrauben. Fein! Nicht fein waren allerdings die Beilagensalate; zwar frisch und nicht aus dem Eimer, dafür aber strohtrocken. Lediglich am Boden der Gefässe fand sich je ein Minipfützchen Dressing. So etwas geht erheblich besser. Nur das ordentliche Fleisch von Wutz und Hinkel verhilft "Essen und Trinken" zu drei Sternen.

Preis-/Leistung: im Rahmen, vier Sterne.

Fazit: "Dieser "Ochsen" ist de facto nicht mehr "unser Ochsen"; wir werden ihn ab sofort meiden. Konnte ich ihn früher guten Gewissens empfehlen, ist er mir "im neuen Gewand" keine Empfehlung mehr wert.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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