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GastroGuide-User: Oparazzo
hat Trattoria Toscana da Salvatore in 76133 Karlsruhe bewertet.
vor 1 Woche
"Das dünne Ende kam zum Schluss"
Verifiziert

Geschrieben am 14.01.2020 | Aktualisiert am 14.01.2020
Besucht am 14.01.2020 Besuchszeit: Mittagessen 2 Personen Rechnungsbetrag: 100 EUR

Überraschungen gibt es immer wieder, zum Beispiel wenn man in unmittelbarer Nähe häufig begangener Pfade auf ein Restaurant stößt, von dessen Existenz man bislang keinen Schimmer hatte. Ein Restaurant, das es dort schon seit vielen, vielen Jahrzehnten geben muss, das jedenfalls ist der Eindruck, den man gewinnt, wenn man durch die Tür tritt. Eine Zeitreise in die Mitte des vorigen Jahrhunderts.


Aber das muss ja nichts Schlechtes sein, jedenfalls wenn es so distinguiert ist wie hier, mit schön eingedeckten, mit weißem Tuch verhüllten Tischen. Oder Tischchen vielmehr, denn dasjenige, das uns die etwas distanziert wirkende Kellnerin heute Mittag zuwies, war ziemlich klein und vor allem ziemlich niedrig. So richtig gemütlich fanden wir es dort nicht, denn es lag an einer vielbegangenen, engen Passage durch den etwas verwinkelten und sehr dicht mit Tischen zugestellten Gastraum. Aber wir hatten ja nicht reserviert, and latecomers can’t be choosers.


Allerdings sieht man hier einige besser platzierte Tische, die bis zum Schluss frei geblieben waren...

Wenn man so eng beisammen sitzt, kriegt man natürlich an fremden Unterhaltungen mehr mit als einem lieb ist; andererseits war es ein gutes Zeichen, dass etliche von denen in Italienisch geführt wurden. Und dass ich von meinem Platz aus freien Durchblick hinter die Theke hatte, sollte sich später als interessant erweisen. 
 
Das Lokal ist sehr dezent dekoriert, mit ein paar Vintage-Fotos aus Italien, aber vor allem mit den Alkoholika, die hier zum Ausschank kommen.


Sehr nett fanden wir, dass uns zur Begrüßung gleich mal je ein Gläschen vernünftigen, trockenen Proseccos hingestellt wurde. Kurz darauf kam Salvatore höchstselbst vorbei und schüttelte uns die Hand, als wären wir schon alte Stammkunden. Er kümmerte sich im Verlauf des Mittags immer wieder um uns, zusammen mit seiner großzügig von Chanel umwölkten Frau und seiner vielköpfigen und effizienten Mannschaft. Ein lustiger Typ, und als einziger von allen zu dem einen oder anderen Spaß aufgelegt.
 
Die Karte war umfangreich und umfasste die vier Gänge der italienischen Küche. Pizzen gab es keine, wollten wir aber auch nicht. Die Preise weckten, ich kann es nicht anders sagen, gewaltige Erwartungen, und das nicht deshalb, weil sie im Vergleich zu der Karte, die man im Internet findet, zwischen 5 und 10% höher waren - das sollte man eigentlich aktuell halten. Auch das stille Wasser lässt man sich mit 4,90 € für das halbe Literchen recht zünftig bezahlen.
 
Was auswärtiges Essen angeht, hatten wir in den letzten Tagen schon ziemlich auf den Putz gehauen, trotzdem haben es uns wieder gut gehen lassen.


Zum Start teilten wir uns die Variationen von gegrillten Meeresfrüchten (19,50 €), mit unter anderem zwei wunderschönen Oktopusärmchen (da ist er wieder, der Dipus), einer wie stets eher durch Klasse als durch Fleischmasse beeindruckenden Langustine, einer schön gebräunt-glasigen Jakobsmuschel und einer ebenso gelungene Riesengarnele. Deren kleineres Schwesterchen war schon trocken, und die Kalmartube (der Tubus?) war richtig zäh und hatte leider geschmacklich vom Grill nichts mitgenommen.

 
Danach hatte meine Frau die gegrillten Gamberoni (bestellt hatte sie eigentlich alla Livornese, aber so war es ihr auch recht, und es ist uns auch erst später aufgefallen), fünf gut gebaute und perfekt gegrillte Vertreter ihrer Art, die zusammen mit etwas Gemüse und einem Häufchen Kartoffelbrei serviert wurden (28,50 €). Das Gemüse war aromatisch und knackig, nur dem Spinat fehlte etwas von dem Pfiff, den zum Beispiel eine adäquate Dosis Knoblauch verleiht.


Ich hatte viel Freude an meinen Lammkoteletts (29,00 €). Wenn man nicht aufpasst, werden die auf dem Grill ja schnell hart, aber hier nicht: Zart, rosa, trotzdem mit reichlich Röstaromen versehen. Vielleicht hätte man auch hier mit Knoblauch etwas großzügiger sein können, da kann man nach meinem Geschmack bei Lamm kaum übertreiben. Dazu gab es das gleiche Gemüse wie zu den Gamberoni.
 
Die Beilagen hätten durchaus reichlicher sein können, zum Beispiel mit mehr als einem Klecks von dem Püree. Es passiert mir eigentlich nicht oft, dass ich noch zum Brot greifen muss, um das Fleisch auszubalancieren. So war danach noch reichlich Platz für Dessert. Und damit wären wir beim Abschluss, mit dem wir das bisher erfreuliche Mahl eigentlich krönen wollten. Hier wurde das Haus seinem eigenen Anspruch leider überhaupt nicht gerecht.


Das Champagnersorbet, das sich meine Frau bestellt hatte, war nämlich kein Champagnersorbet, sondern Sorbet aus käuflichem Zitronensaft, das mit etwas Prosecco übergossen wurde. Sehr spaßig war es, dem Thekenmann dabei zuzusehen, wie er das tiefkalte Sorbet aus der Plastikschachtel kratzte und mit Sprite (!) vermengte, um es irgendwie weich zu kriegen. Geschmeckt hat es entsprechend, und jede Menge Eisstückchen hat meine Frau trotzdem noch zwischen die Zähne gekriegt.


Mein Tartufo war nicht schlecht, aber aus der Schachtel und noch so kalt, dass es nur mit der Gabel zu zerlegen war.

Theke mit Tartufi
Das Kleckschen Schlagsahne, das daneben lag, kam aus der Sprühflasche, und zwar nicht etwa aus einem Spender mit frischer Sahne, sondern aus einer dieser Sprühflaschen vom Discounter, bei denen die Sahne innerhalb von Minuten zu einem traurigen Häufchen zusammenschmilzt. Salvatore, wie konntest du nur? Das hatte das selbst das käuflich erworbene Tartufo nicht verdient, und ich auch nicht.

Ich möchte aber nicht unerwähnt lassen, dass Küche und Service ausgesprochen schnell und aufmerksam waren. Deswegen durften wir nach einer guten Stunde das Restaurant wieder verlassen, im Großen und Ganzen gesättigt zwar, aber angesichts der Diskrepanz zwischen Preis und Leistung mit dem Erlebten doch nicht vollumfänglich zufrieden. 
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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