Geschrieben am 17.04.2026 2026-04-17| Aktualisiert am
17.04.2026
Besucht am 12.11.2025Besuchszeit: Abendessen 1 Personen
Rechnungsbetrag: 35 EUR
In Karlsruhe gibt es diverse Möglichkeiten, mexikanisch essen zu gehen. Allen voran das seit 1983 existierende „El Taquito“, in dem ich schon zu Studentenzeiten ab und zu einkehrte. Angeblich handelt es sich bei diesem, alteingesessenen Gastro-Kuriosum um das älteste mexikanische Restaurant unserer Republik.
Mitte November besuchte ich an einem Mittwochabend meinen am Auge operierten Vater im Diakonissenkrankenhaus, das sich im Karlsruher Stadtteil Rüppurr befindet. Nach meinem Besuch stand mir der Sinn nach unkomplizierter Hungerbekämpfung. Ich erinnerte mich an die nicht weit vom Krankenhaus entfernte, seit März 2024 in der Lange Straße / Ecke Rastatter Straße ansässige Taqueria Taol, die mir von einem ehemaligen, dem guten Futter stets zugeneigten Schüler empfohlen wurde.
Es war noch recht früh am Abend und ich versuchte einfach mal mein Glück. Nach freundlicher Begrüßung nahm ich im hinteren Teil des geräumigen, geschmackvoll eingerichteten Gastraumes Platz. Ich saß zum ersten Mal in den altehrwürdigen Räumlichkeiten des ehemaligen Wirtshauses „Kofflers Heuriger“, in dem bereits in den 60er Jahren die Gäste mit zünftiger, österreichischer Küche verköstigt wurden.
Nach vielen Jahren, in denen das Restaurant verpachtet war, wird es heute wieder von der Familie Koffler betrieben. Der Großvater von Betriebsleiterin Sophia Koffler hat übrigens damals das „El Taquito“ eröffnet. Wer jetzt jedoch denkt, dass die Taqueria lediglich ein Ableger des Tortilla füllenden Ur-Mexikaners im Karlsruher Zentrum ist, sieht sich spätestens bei der Durchsicht des Speisenprogramms eines Besseren belehrt.
Jenes reichte man mir auch bald. Auch das Fläschchen Bad Liebenzeller Mineralwasser (0,5l für 5,20 Euro) ließ nicht lange auf sich warten. Ich war erstaunt, wie schnell sich der Laden in der Folgezeit füllte, was den Geräuschpegel um mich herum deutlich anhob. Ein überwiegend junges Publikum studierte genau wie ich die 100% glutenfreie Speisenauswahl, die auf mehrere DIN-A4-Blätter verteilt im Klemmbrett steckte.
In der Karte warb man damit, den Maisteig („Masa“) für die Tortillas selbst herzustellen. Im Nachbarhaus stellt das ebenfalls von der Familie Koffler betriebene Unternehmen „Mexican Good Food“ frische Maistortillas nach dem traditionellen mexikanischen Nixtamal-Verfahren her. Cool, hatte ich das letzte Mal vor rund 20 Jahren als ich einen guten Freund in Guadalajara besuchte.
Das Speisenangebot las sich äußerst spannend. Selbst die bei uns nicht sonderlich bekannte Birria, ein Eintopf aus Jalisco, bei dem das Rindfleisch in einer Chili-Brühe geschmort wird, hatte man auf der Kladde. Der Hinweis, dass man eine Extraportion davon als kostenlosen Nachschlag bekäme, falls der Rindfleischtopf nicht reichen würde, ließ mich grinsend an den mit mehreren Mägen ausgestatteten Vielvernichter aus Mannheim denken…
Die Entscheidung fiel mir nicht gerade leicht, klangen doch die meisten Gerichte auf der Karte neu und vielversprechend zugleich. Da ich die Portionsgrößen nicht kannte, beschränkte ich mich auf ein Hauptgericht. Später orderte ich noch eine Vorspeise nach. Meine Wahl fiel auf die „Tacos de Steak“ (20,80 Euro) nach Taqueria-Art. Tacos de Steak
Das hübsch auf den Teller gebrachte, mexikanische Streetfood bestand aus drei Maistortillas, die mit gebratenen Steakwürfeln (wahrscheinlich von der Rinderhüfte), frittierter Petersilie, gepickelten Zwiebeln und Avocado-Spalten gefüllt waren. Frische Auflage - nur das Fleisch hätte ich mir etwas saftiger gewünscht...
Neben den Tacos türmte sich ein knuspriger Hügel aus frittierten Kartoffelstäbchen – den Frit-Sticks von „funny-frisch“ nicht unähnlich. Die Kartoffelsticks als Knabberbeilage
Ein paar Limettenschnitze zum Auffrischen hatte man auch dazu gelegt. Die in der Karte angekündigte Xnipec-Salsa suchte ich vergebens. Dafür reichte man mir einen altbekannten Scharfmacher, die Salsa „Muy Picante“ aus dem Hause Valentina zum Selbstdosieren. In Mexiko ein Salsa-Klassiker!
Die Steakwürfel fielen leider nicht annähernd so saftig aus, wie in der Karte versprochen. Dafür konnte der Rest des nicht einfach zu vertilgenden Taco-Gerichts mit textureller Abwechslung und Frische punkten.
Klar, waren die Kartoffel-Sticks eine recht fettige Angelegenheit, aber ihr Crunch überzeugte. Ich möchte denjenigen sehen, der die üppig beladenen Maisfladen ohne „Frachtverlust“ zum Munde führt bzw. vertilgt bekommt. Aber vielleicht fehlt mir bei solchem Fingerfood auch schlichtweg die Übung.
Ehrlich gesagt, war ich in Anbetracht der für dieses Hauptgericht entrichteten rund 21 Euro schon ein wenig enttäuscht von seiner Portionsgröße. Oder mit anderen Worten: ich hatte noch Hunger. Am Nachbartisch machte sich Jungvolk über Maiskörner mit Frischkäse her, was mich zu einem kleinen Ergänzungshappen animierte. Uns so orderte ich als „Nachschlag“ eine Portion Esquites (9 Euro), eine Art mexikanischer Maissalat, der auch als Streetfood gerne gesnackt wird.
Die zuvor in einer würzigen Brühe gekochten Maiskörner wurden zusammen mit Mayo, Frischkäse, etwas Chilipulver, Koriandersaat, einem Limettenschnitz und vier Totopos (bei uns häufiger als „Nachos“ bezeichnet) auf einem Maisblatt serviert. Esquites - Maissalat "Street Food Style"
Süßlich, süffig und leicht scharf im Abgang verteilten sich die leicht noch leicht knackigen Esquites in den letzten Freiräumen meines Magens.
Danach war ich derart satt, dass ich schweren Herzens auf den fest eingeplanten „Tamal de Chocolate“, einen in Maisblättern gedämpften Maiskuchen mit Zartbitterschokolade, verzichten musste. Das wird beim nächsten Besuch in der Taqueria jedoch nachgeholt. Die Tamales, die Chalupas de Hidalgo und selbstverständlich auch der Birria-Eintopf wollen schließlich auch noch probiert werden…
In Karlsruhe gibt es diverse Möglichkeiten, mexikanisch essen zu gehen. Allen voran das seit 1983 existierende „El Taquito“, in dem ich schon zu Studentenzeiten ab und zu einkehrte. Angeblich handelt es sich bei diesem, alteingesessenen Gastro-Kuriosum um das älteste mexikanische Restaurant unserer Republik.
Mitte November besuchte ich an einem Mittwochabend meinen am Auge operierten Vater im Diakonissenkrankenhaus, das sich im Karlsruher Stadtteil Rüppurr befindet. Nach meinem Besuch stand mir der Sinn nach unkomplizierter Hungerbekämpfung. Ich erinnerte mich an die nicht weit... mehr lesen
Taqueria Taol
Taqueria Taol€-€€€Restaurant072120440252Lange Str. 1, 76199 Karlsruhe
3.5 stars -
"Mais, Mais, Baby!" GourmägglerIn Karlsruhe gibt es diverse Möglichkeiten, mexikanisch essen zu gehen. Allen voran das seit 1983 existierende „El Taquito“, in dem ich schon zu Studentenzeiten ab und zu einkehrte. Angeblich handelt es sich bei diesem, alteingesessenen Gastro-Kuriosum um das älteste mexikanische Restaurant unserer Republik.
Mitte November besuchte ich an einem Mittwochabend meinen am Auge operierten Vater im Diakonissenkrankenhaus, das sich im Karlsruher Stadtteil Rüppurr befindet. Nach meinem Besuch stand mir der Sinn nach unkomplizierter Hungerbekämpfung. Ich erinnerte mich an die nicht weit
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Mitte November besuchte ich an einem Mittwochabend meinen am Auge operierten Vater im Diakonissenkrankenhaus, das sich im Karlsruher Stadtteil Rüppurr befindet. Nach meinem Besuch stand mir der Sinn nach unkomplizierter Hungerbekämpfung. Ich erinnerte mich an die nicht weit vom Krankenhaus entfernte, seit März 2024 in der Lange Straße / Ecke Rastatter Straße ansässige Taqueria Taol, die mir von einem ehemaligen, dem guten Futter stets zugeneigten Schüler empfohlen wurde.
Es war noch recht früh am Abend und ich versuchte einfach mal mein Glück. Nach freundlicher Begrüßung nahm ich im hinteren Teil des geräumigen, geschmackvoll eingerichteten Gastraumes Platz. Ich saß zum ersten Mal in den altehrwürdigen Räumlichkeiten des ehemaligen Wirtshauses „Kofflers Heuriger“, in dem bereits in den 60er Jahren die Gäste mit zünftiger, österreichischer Küche verköstigt wurden.
Nach vielen Jahren, in denen das Restaurant verpachtet war, wird es heute wieder von der Familie Koffler betrieben. Der Großvater von Betriebsleiterin Sophia Koffler hat übrigens damals das „El Taquito“ eröffnet. Wer jetzt jedoch denkt, dass die Taqueria lediglich ein Ableger des Tortilla füllenden Ur-Mexikaners im Karlsruher Zentrum ist, sieht sich spätestens bei der Durchsicht des Speisenprogramms eines Besseren belehrt.
Jenes reichte man mir auch bald. Auch das Fläschchen Bad Liebenzeller Mineralwasser (0,5l für 5,20 Euro) ließ nicht lange auf sich warten. Ich war erstaunt, wie schnell sich der Laden in der Folgezeit füllte, was den Geräuschpegel um mich herum deutlich anhob. Ein überwiegend junges Publikum studierte genau wie ich die 100% glutenfreie Speisenauswahl, die auf mehrere DIN-A4-Blätter verteilt im Klemmbrett steckte.
In der Karte warb man damit, den Maisteig („Masa“) für die Tortillas selbst herzustellen. Im Nachbarhaus stellt das ebenfalls von der Familie Koffler betriebene Unternehmen „Mexican Good Food“ frische Maistortillas nach dem traditionellen mexikanischen Nixtamal-Verfahren her. Cool, hatte ich das letzte Mal vor rund 20 Jahren als ich einen guten Freund in Guadalajara besuchte.
Das Speisenangebot las sich äußerst spannend. Selbst die bei uns nicht sonderlich bekannte Birria, ein Eintopf aus Jalisco, bei dem das Rindfleisch in einer Chili-Brühe geschmort wird, hatte man auf der Kladde. Der Hinweis, dass man eine Extraportion davon als kostenlosen Nachschlag bekäme, falls der Rindfleischtopf nicht reichen würde, ließ mich grinsend an den mit mehreren Mägen ausgestatteten Vielvernichter aus Mannheim denken…
Die Entscheidung fiel mir nicht gerade leicht, klangen doch die meisten Gerichte auf der Karte neu und vielversprechend zugleich. Da ich die Portionsgrößen nicht kannte, beschränkte ich mich auf ein Hauptgericht. Später orderte ich noch eine Vorspeise nach. Meine Wahl fiel auf die „Tacos de Steak“ (20,80 Euro) nach Taqueria-Art.
Das hübsch auf den Teller gebrachte, mexikanische Streetfood bestand aus drei Maistortillas, die mit gebratenen Steakwürfeln (wahrscheinlich von der Rinderhüfte), frittierter Petersilie, gepickelten Zwiebeln und Avocado-Spalten gefüllt waren.
Neben den Tacos türmte sich ein knuspriger Hügel aus frittierten Kartoffelstäbchen – den Frit-Sticks von „funny-frisch“ nicht unähnlich.
Ein paar Limettenschnitze zum Auffrischen hatte man auch dazu gelegt. Die in der Karte angekündigte Xnipec-Salsa suchte ich vergebens. Dafür reichte man mir einen altbekannten Scharfmacher, die Salsa „Muy Picante“ aus dem Hause Valentina zum Selbstdosieren.
Die Steakwürfel fielen leider nicht annähernd so saftig aus, wie in der Karte versprochen. Dafür konnte der Rest des nicht einfach zu vertilgenden Taco-Gerichts mit textureller Abwechslung und Frische punkten.
Klar, waren die Kartoffel-Sticks eine recht fettige Angelegenheit, aber ihr Crunch überzeugte. Ich möchte denjenigen sehen, der die üppig beladenen Maisfladen ohne „Frachtverlust“ zum Munde führt bzw. vertilgt bekommt. Aber vielleicht fehlt mir bei solchem Fingerfood auch schlichtweg die Übung.
Ehrlich gesagt, war ich in Anbetracht der für dieses Hauptgericht entrichteten rund 21 Euro schon ein wenig enttäuscht von seiner Portionsgröße. Oder mit anderen Worten: ich hatte noch Hunger. Am Nachbartisch machte sich Jungvolk über Maiskörner mit Frischkäse her, was mich zu einem kleinen Ergänzungshappen animierte. Uns so orderte ich als „Nachschlag“ eine Portion Esquites (9 Euro), eine Art mexikanischer Maissalat, der auch als Streetfood gerne gesnackt wird.
Die zuvor in einer würzigen Brühe gekochten Maiskörner wurden zusammen mit Mayo, Frischkäse, etwas Chilipulver, Koriandersaat, einem Limettenschnitz und vier Totopos (bei uns häufiger als „Nachos“ bezeichnet) auf einem Maisblatt serviert.
Süßlich, süffig und leicht scharf im Abgang verteilten sich die leicht noch leicht knackigen Esquites in den letzten Freiräumen meines Magens.
Danach war ich derart satt, dass ich schweren Herzens auf den fest eingeplanten „Tamal de Chocolate“, einen in Maisblättern gedämpften Maiskuchen mit Zartbitterschokolade, verzichten musste. Das wird beim nächsten Besuch in der Taqueria jedoch nachgeholt. Die Tamales, die Chalupas de Hidalgo und selbstverständlich auch der Birria-Eintopf wollen schließlich auch noch probiert werden…