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Einst residierte in diesem schmucken Haus am Markplatz das alteingesessene Bäckerei-Café Mack, nun versucht sich seit gut sechs Jahren das Ama Deli (für was steht wohl AMA?). Hier werden offenbar ganztägig tolle Frühstücksvariationen mit und ohne Ei, Müsli- und Kucheninterpretationen, Toasts, Bowls und Salate – und natürlich eine riesige Auswahl an kalten und warmen Getränken - gereicht. Ein Lokal inmitten des schmucken Vorzeigestädtchens dürfte ein Selbstläufer sein. Jeder Tourist kommt unweigerlich am Markplatz vorbei und wird von der einladenden Terrasse mit Oleanderbüschen, weissen Sonnenschirmen und gelben Lampions angezogen.
Auch ich lande hier. Zwischen reichhaltigem Frühstück und sicherlich wieder üppigem Abendessen steht mir der Sinn nach einer frischen nachmittäglichen Kleinigkeit jenseits von Kuchen, Torten und Eisbechern. Samstagnachmittags gegen 15:30 Uhr ist kaum mehr ein Terrassenplatz im Schatten zu bekommen. So schreibe ich meinem etwas versteckten Tisch auch erst mal den Umstand zu, dass sehr lange kein Service erscheint. Sehr, sehr lange. Dann entdecke ich zwei Serviceherren, die sichtlich verzweifelt an ihren digitalen Endgeräten rumdaddeln. Und noch mehr Gäste, die vermehrt die Hand erheben, um auf sich aufmerksam zu machen. Da auf den Tischen keine Speisekarte ausliegt, bin ich fast versucht, unverrichteter Dinge wieder zu gehen.
Dann ruft der ältere der Serviceherren „Ich komme gleich“ nach allen Seiten und kümmert sich um das Nötigste. Nach schneller Durchsicht der Karte bestelle ich ein Bircher Müsli (7,00 Euro) und eine grosse Pepsi Zero (5,00 Euro). Die Cola kommt mit reichlich Eiswürfeln, das Müsli ist hübsch angerichtet mit frischem Obst und einem Stängel Minze. Da gibt es nichts zu meckern. Orange, Melone, Weintrauben erfrischen, das beerige Bircher Müsli ist gut abgehangen und mit Sultaninen gesüsst. Jetzt kehrt Entspannung ein und ich kann beobachten, wie die restlichen aufgebrachten Gäste beschwichtigt werden.
Auf dem Weg zur Toilette (grün glitzernd neu gefliest und gut in Schuss) gilt es, eine halsbrecherische Wendeltreppe ins Untergeschoss zu überwinden. Hier ist Trittsicherheit gefragt. Was machen wohl die mobilitätseingeschränkten Gäste mit Rollstuhl, Rollator und Gehstöcken? Nebenbei werde ich des schmucken Innenraums ansichtig. Holzdielenböden, helle Wände und rote Samtsessel wirken einladend. Denn auch in Schorndorf ist nicht immer Sommer, kann nicht immer draussen gesessen werden.
Sonntags bis dienstags hat das Lokal von morgens 9 Uhr bis 18 Uhr, mittwochs bis samstags bis 21 Uhr geöffnet. Das klingt sehr grosszügig. Als ich später noch mal eine Runde drehe, ist das Ama Deli jedoch vollkommen verwaist. Vermutlich speist sich die Hauptklientel doch aus Tagestouristen, die das pittoreske Schorndorf besuchen. Das variable, international angehauchte Speisenangebot jenseits der üblichen festen Tellergerichte lockt natürlich ganztägig zu einem Besuch. Wie wärs mit einer BBQ-Quesadilla (19 Euro) oder einer kleinen Schwabenreise mit Kässpätzle, Schnitzel, Maultaschen und Kartoffelsalat (21 Euro)?
Verärgert hat mich trotzdem der lange abwesende, unzuverlässige Service, der den Betrieb fast lahmgelegt hat. An diesem prominenten Standort wäre doch mehr Präsenz gefragt.