"Wo Landau gerne italienisch is(s)t"
Geschrieben am 24.01.2026 2026-01-24 | Aktualisiert am 24.01.2026
Ristorante Sapori d'Italia
€-€€€
Trattoria, Pizzeria
063417029991
Trappengasse 18, 76829 Landau in der Pfalz
Ristorante Sapori d'Italia
€-€€€
Trattoria, Pizzeria
063417029991
Trappengasse 18, 76829 Landau in der Pfalz
Vom „Sapori“, wie viele das seit 2010 von der Familie Orsini betriebene Lokal in Kurzform auch nennen, habe ich lange nicht mehr berichtet. Das liegt in erster Linie an der Tatsache, dass ich seit unserem Umzug nach Wörth viel seltener in Landau weile. Und wenn ich dann mal vor Ort war und Zeit für eine Spontaneinkehr in dem trubeligen Ristorante hatte, war dieses entweder geschlossen oder alle Plätze waren belegt.
Insofern ist es immer ratsam, vorher anzurufen, um auch sicher einen Tisch zu bekommen. Da wir Anfang April zu fünft dort aufschlagen wollten, hatte ich bereits ein paar Tage zuvor die Plätze per Telefon klargemacht. Und so saßen wir an jenem frühlingshaften Mittwochabend kurz vor den bald beginnenden Osterferien in voller Clubstärke auf den unbequemen Holzstühlen und atmeten den appetitanregenden, würzig-mediterranen Pizzadunst, der aus dem nicht weit entfernten Ofen drang, in erwartungsvoller Vorfreude auf die stets verlässliche Cucina der Orsinis ein.
Der Geräuschpegel im Lokal hatte die normale „Schallhöhe“ längt erreicht. Man musste also schon ein wenig die Stimme erheben, um sich einer funktionierenden Tischkonversation sicher zu sein. Aber das gehört einfach zu dieser lebhaften Trattoria wie die Salume in deren Feinkostauslage, die hier übrigens richtig gut sortiert ist.
Inhaber Dario Orsini, der wie immer vor dem heißen Pizzaofen die deftigen Scheiben zubereitete, grüßte freundlich in unsere Runde. Bald hatte sich Servicechef Italo, der Sohn des Pizzaiolos, zu uns gesellt und nahm im gewohnten Stakkato unsere Bestellungen entgegen.
Inspiriert von den Schiefertafeln mit den Al-Forno-Klassikern oben an der Wand, den an der Plexiglasscheibe vor dem Pizza-Abteil angebrachten Plakaten mit den „Außer-der-Reihe-Angeboten“ und dem Standardrepertoire von der aufklappbaren Karte, wählten wir uns einmal quer durchs gut aufgestellte Pizza-Pasta-Programm der sympathischen „Saporianer“.
Den mit reichlich Parmaschinken, Rucola und Parmesan gesegneten Büffelmozzarella-Salat (17 Euro) musste ich mit einem meiner Kollegen teilen, denn der ist von der Menge her eher wie ein Hauptgericht portioniert.
Wegen den gebotenen Großformaten hat Salat-Sharing im „Sapori“ übrigens Tradition.
Ende November teilte ich mir mit meiner Gattin einen stattlichen „Italienischen“ (10 Euro). Und auch da war die Zufriedenheit mit dem knackfrischen, mit Schinken, Tomaten, Gurken, Karotten und Käse veredelten Blattgrün sehr hoch. Besonders das würzige Essig-Öl-Dressing sei an dieser Stelle positiv erwähnt, denn es brachte ordentlich viel Schmackes in den bunten Salathügel.
Doch zurück zum Besuch in kollegialer Schlemmerrunde im April. Allein die unter dem Schinkendach lauernde Menge an cremig-weichem Büffelmozzarella, dem Tofu des mediterranen Südens, musste bei unserem Vorspeisensalat erst einmal bewältigt werden, was gar keine so leichte Aufgabe war.
Gut vorgesättigt ging es für mich danach mit den Strozzapreti ai Frutti di Mare (19 Euro) weiter.
Auch zwei andere Tischgenossen hatten sich eine Vorspeise geteilt. Im „Sapori“ bietet man auch eine kleine Auswahl an herzhaft belegten Fladenbroten, den sogenannte Pucce, an.
Die Version mit dünn aufgeschnittenem Spanferkelrollbraten, Käse, Salat und einer hellen (Salat)Sauce (8 Euro) kam jedenfalls als veritables „Italo-Sandwich“ bei den beiden bekennenden „Puccisten“ gut an.
Zeitgleich mit meiner Meeresfrüchte-Pasta wurden drei Pizzen und ein Jägerschnitzel mit Pommes Frites (17,50 Euro) serviert. Die drei deftigen, ausreichend tomatisierten Hefeteigerzeugnisse in Wagenradgröße hörten auf die Namen „Italo“ (mit Thunfisch, Zwiebeln, Kapern, scharfer Peperoni und Oregano / 14 Euro), „Prosciutto“ (mit Thunfisch zusätzlich / 12 Euro) und „Clarissa“ (mit Salami und frischen Champignons / 13 Euro) und schienen wie aus dem Lehrbuch für italienische Teigfladenoptik entnommen.
Sie zeichneten sich alle durch eine schöne Saftigkeit aus. Die verwendete Tomatenbasis hatte wie immer ordentlich viel Schmackes. Und der nette Pizzaiolo spart auch nicht bei den übrigen Belagzutaten.
Der außen knusprige und innen angenehm luftige Boden überzeugte auf ganzer Linie. Er hatte genau die richtige Dicke vorzuweisen und geriet auch am Rand wunderbar kross.
Wer hier watteweiche Teigpolster im Schlauchbootformat à la Neapolitana erwartet, wird wahrscheinlich enttäuscht sein. Freunde gut durchgebackener Rustikalscheiben hingegen können bei den Orsinis ungeniert ihren Spachteldrang besänftigen. Und das taten die drei Pizza-Enthusiasten an unserem Tisch mit Bravour.
Auch der notorische Schnitzelesser in unserer Runde lobte sein mit reichlich Sauce überdecktes, schnörkelloses Panierstück vom Schwein, das er sich zusammen mit einer beachtlichen Portion Pommes Frites und einer stramm durchsoßten Champignon-Paprika-Zwiebel-Haube schmecken ließ.
Gut, dass er keine Vorspeise bestellt hatte. Der Komplettverzehr dieses gutbürgerlichen Redundanzgerichts wäre wohl in Gefahr geraten. So mancher Jäger wäre wohl nach der Bewältigung dieser reichbedeckten Schnitzelei nicht mehr den Hochsitz hochgekommen.
Da lobte ich mir doch die leichte Pastaküche mit Meerblick, die mir meine teiggewordenen und danach in perfektem „Al-Dente“ auf dem Teller gelandeten „Priesterwürger“ (= Strozzapreti) bescherten.
Klar, die dafür aufgerufenen 19 Euronen waren schon eine recht sportliche Ansage ans eigene Portemonnaie, aber die großzügige Ausstattung mit qualitativ hochwertigen Meeresfrüchten rechtfertigte die pekuniären Mittel allemal. Pulpo, Miesmuscheln, Garnelen kamen ausreichend knobliert und mit einem aromatischen Tomatensugo süffig unterfüttert auf den nicht gerade kleinen Glasteller in passender Fischform.
Beim Besuch mit meiner Familie waren es übrigens die frischen Miesmuscheln mit Spaghetti (19,90 Euro), die mir den Abend retteten. Selbstverständlich wurde auch diese formidable „Moules-Pâtes-Liaison“ mit der gleichen, astreinen Tomatensauce veredelt wie ein halbes Jahr zuvor meine Strozzapreti.
Keine leichte Aufgabe, zu dem Miesmuschelberg vom Volumen eines mittelgroßen Kochtopfs noch einen ansehnlichen Spaghetti-Hügel zu verdrücken. Die Nudeln waren zwar nicht hausgemacht, ließen sich aber mit wahrnehmbarer Bissfestigkeit um die Gabel wickeln. Die fruchtig-pikante Tomatentunke ließ auf die Verwendung reifer Zutaten schließen. Ein Teller voll Glückseligkeit, der außerdem ordentlich sättigte.
Auch meine beiden Damen genossen ihre Leckereien aus Pfanne und Ofen. Das Töchterchen knabberte mit Inbrunst an ihrer Pizza Margherita (10 Euro), von der wir am Folgetag die erkalteten, aber nicht weniger schmackhaften Reste vertilgten.
Und die Spaghetti Carbonara (12 Euro), die sich meine Gattin einverleibte, waren auch nicht gerade von schlechten „Köhlern“.
Es beeindruckt mich immer wieder, wie man diesen Inbegriff italienischer Pasta-Saturiertheit komplett verdrücken kann. Aber mit genügend San Pellegrino aus der Dreiviertelliterflasche (5,50 Euro) kann Frau es schaffen.
Auf ein Tiramisu (5 Euro), das ich mir bei der Einkehr mit den Kollegen im April dann doch nicht nehmen ließ,
verzichteten wir jedoch aus reinem Platzmangel in der Magengegend. Dieser herrschte mittlerweile auch im Gastraum, weshalb sich etliche Spontanbesucher (ohne Reservierung) unbestellter Dinge eine Alternative suchen mussten, da mal wieder alle Tische belegt oder ausreserviert waren.
Möge der trubelige Laden der fleißigen Apulier weiterhin so brummen. Die Qualität der Speisen stimmt nach wie vor. Da lassen sich auch die paar Euro mehr für das ein oder andere Gericht verschmerzen.
Für romantisch veranlagte Pizza- und Pastagänger ist die quirlige Trattoria vielleicht nicht unbedingt die erste Wahl fürs erste Date. Und auch ungeduldige Gäste mit knappem Zeitfenster werden wahrscheinlich wegen der manchmal etwas längeren Wartezeiten aufs Essen schnell nervös. Dafür wird hier alles frisch gekocht bzw. gebacken.
Wir gehen jedenfalls immer noch sehr gerne in diesen durch und durch italienischen Laden in der Landauer Trappengasse, in dem sich die „sapori d’Italia“ auf so unterschiedliche Art und Weise inhalieren lassen. Insofern ist hier jeder Besuch wie ein kleiner kulinarischer Kurztrip über die Alpen.