"Seriöser Nebengrillschauplatz in quirliger Karnivoren-Kantine"
Geschrieben am 25.02.2026 2026-02-25 | Aktualisiert am 25.02.2026
Steakhouse Chicago Williams BBQ
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Restaurant, Steakhouse
03028042422
Marburger Straße 16, 10789 Berlin
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Da ich das Chicago Williams noch von einem Besuch vor vielen Jahren in bester Erinnerung hatte, reservierte ich dort einen Tisch für zwei Karnivoren und zwei „eingefleischte Vegetareusen“. Von der U-Bahnhaltestelle Wittenbergplatz bis in die Marburger Straße war es nur ein kleiner Spaziergang. Auf einen Abstecher ins KaDeWe mussten wir aus Zeitgründen verzichten – sehr zum Leidwesen der beiden weiblichen Lehrkräfte.
Klar waren die ganz der fleischlosen Kost verschriebenen Damen anfänglich noch etwas skeptisch als wir den seit 2012 die Berliner Fleischfraktion beglückenden, mittlerweile auch mit einer Frankfurter Zweigstelle operierenden Laden in der nicht weit vom Ku’Damm entfernten „Marburger“ betraten.
Doch die entspannte, von zeitgemäßem Industrial-Chic und ein wenig Wild-West-Flair geprägte Atmosphäre sowie die Tatsache, dass hier sogar – wenn auch nur sehr wenig – Vegetarisches auf dem Speisenzettel stand, besänftigte die weiblichen Gemüter unseres Kollegenquartetts dann aber doch recht schnell. Zumal sie den latent „trashigen Charme“ des Ladens ziemlich cool fanden.
Bei der Anmeldung an der Theke gab es einen kleinen Corn-Soup-Shot als warmen „Welcome-Drink“.
Spätestens als wir Platz genommen hatten und mit dem ersten, gut gekühlten Hellen aus der mit eigenem Logo etikettierten Flasche (0,33l für innerstädtisch noch akzeptable 4,50 Euro) anstießen,
wich die Anstrengung der langen Anreise (mit dem ICE) und des anschließenden „Welcome Walks“ (inkl. Besuch des Futuriums…).
Um uns herum bestimmte ein auf ausgelassener Geselligkeit beruhender, energiegeladener „Buzzing Vibe“ die Szenerie. An der Decke angebrachte Schallschutzelemente schluckten einen Großteil des Geplappers, aber eben nicht alles. Wir saßen auf einfachem Holzgestühl – wie man es auch in den Klassenräumen weiterführender Schulen häufig vorfindet – an einem langen Holztisch, den wir uns mit einer anderen Gruppe (drei Personen) teilten – „Family Style“ halt.
Von meinem Platz aus hatte ich den hinter Gitter werkelnden Pitmaster – das Schild „Bitte nicht füttern und streicheln!“ erheiterte nicht nur mich – fest im Blick. An dem vorgelagerten Tresen hätte ich als Alleinesser wohl gerne einen „Counter-Seat“ bezogen. So nach dem Motto „Kannste dir bestimmt watt abkieken“.
Beim Studium des nicht minder hip, aber doch sehr informativ und übersichtlich gestalteten Speiseplans stach den beiden Fleischgesinnten sofort die „Chicago Williams Meat Platter“ für zwei Personen (damals noch für lukrative 58 Euro zu haben – mittlerweile verlangt man dafür 90 Tacken, hat aber auch ein paar BBQ-Leckereien zusätzlich auf der Platte…) ins Auge.
Auch unsere beiden – deutlich jüngeren – Kolleginnen wurden fündig. Dass hier auch der gegrillten bzw. gesmokten Aubergine genügend Aufmerksamkeit geschenkt wird, zeigte eine augenzwinkernde Abbildung der dunklen Eierfrucht an der Wand.
Eine der Kolleginnen entschied sich für die „Smoked Eggplant“ (14,50 Euro), die später mit einem bunten Zwiebelmix (eingelegte rote Zwiebeln, Röstzwiebeln und Frühlingslauch), Baba Ganoush (Auberginenpüree), und Granatapfel-Kernen geliefert wurde.
Die andere zog gegrillten grünen Spargel (auch 14,50 Euro) vor (leider habe ich diesen vergessen abzulichten…).
Bei ihr lagen fünf grüne Stangen von ordentlicher Dicke auf einem Bett aus Pankomehl. Darüber ein erklecklicher Klecks Kimizu. Die Japan-Hollandaise schien kurz zuvor mit dem Bunsenbrenner abgeflämmt worden zu sein. Die dunklen, karamellisierten Stellen auf der Oberfläche kündeten jedenfalls davon. Die Kolleginnen waren beide sehr zufrieden mit ihren Veggietellern. In einem ausgewiesenen BBQ-Schuppen absolut keine Selbstverständlichkeit.
Zeitgleich mit dem servierten Grünzeug wurde auf unserer Seite des Tisches ein beachtlicher Nebengrillschauplatz eröffnet. Mit dem „Ribster“ zu meiner Linken hatte ich mich auf die reich belegte „CWMP“ für zwei gestandene Fleischverputzer geeinigt. Und die aus dem texanischen Smoker geholten, auf einer Art Kantinentablett – „an absolute must for every BBQ-Lover…“ (Zitat aus der Speisenkarte) – drapierten „Rauchwaren“ konnten sich durchaus sehen lassen.
Neben einem stattlichen Pulled-Pork-Hügel und einem halben Freilandhähnchen, hatten es sich noch ein mit hausgemachter BBQ-Sauce bepinseltes Spare-Ribs-Rack und zwei dicke Scheiben Truthahnbrust mit Pfefferrand auf dem Alu-Rechteck gemütlich gemacht. Gepickelte, rote Zwiebeln, ein Klecks Apfelmus (unter den Rippchen) und ein Häufchen Jalapenos ergänzten die aufs Wesentliche reduzierte Fleischplatte für Zwei.
Ein paar Pommes, die hier selbstverständlich unter dem Namen „French Fries“ (6,50 Euro) firmierten, sowie eine kleine Auflaufform mit gratinierten Käse-Maccheroni (mit Pankomehl…), die nicht nur der gelernte Sizzle-Brother als „Mac & Cheese“ (7,50 Euro) bezeichnen bzw. bestellen würde. Da hatten wir also ganz schön was vor…
Die nicht zu dünnen, teilweise noch mit Schale aus der Fritteuse geangelten Erdapfelstäbe operierten hart an der oberen Salzwürze.
Da war das zweite Helle nur eine Frage der Zeit. Die Maccheroni-Al-Forno glänzten dagegen mit der geballten Gratinkäsemacht aus der ovalen Auflaufform. Das Kalorienzählen mussten wir notgedrungen auf den nächsten Tag verschieben (was nur teilweise gelang…).
„Nur nicht im opulenten Beilagenwald verirren!“ lautete die Devise der beiden angehenden Plattenputzer. Dies wäre in der Tat ein Riesenfehler gewesen, denn die saftig-zarten Ergebnisse der hier sehr erfolgreich angewendeten „Low & Slow-Garmethode“ konnten sich wahrlich schmecken lassen. Bis zu 18 Stunden hatten die förmlich im Mund schmelzenden Schweinereien (und Hühnereien) bei niedrigen Temperaturen im Rauch verbracht.
Ob der Pitmeister zur süffigen Unterfütterung des gezupften Fleisches aus der Schweineschulter nun Apfelsaft oder Brühe verwendete, um es in solch ein zartfaseriges „Etwas“ zu verwandeln, ist mir nicht bekannt. Sein vollmundiger und leicht süßlicher Geschmack hat uns jedenfalls begeistert. Auch habe ich selten ein saftigeres Stück Truthahnbrust vorgesetzt bekommen. Die Jungs von der Räucherkammer verstanden ihr Handwerk – so viel stand schnell fest.
Der überraschende Favorit auf unserer Platte war doch tatsächlich die bessere Hälfte vom Freilandhähnchen. Mit seiner saftigen Fleischqualität konnte selbst Captain Kikok nicht mithalten. Auch hier machte ein subtiler Rauchgeschmack den kleinen, aber feinen Unterschied. Da war der geflügelte Vorname von Herrn Williams („Chick-ago“) doch tatsächlich Programm. Echt fantastisch, diese „Brat-Side of the Huhn“…
Auch am Rib-Rack gab es nicht das Geringste zu beanstanden. Mit Knochen im klassischen BBQ-Zuschnitt serviert, wussten die mit angenehm essigsaurer BBQ-Sauce bestrichenen Schweinerippen aus dem Smoker zu gefallen. Das mürbe Fleisch fiel quasi vom Knochen. Zusammen mit dem würzigen Rub, der es an der Oberfläche leicht karamellisiert hatte – wahrscheinlich vom Kurzaufenthalt auf dem Grill – war dies ein klares Rippenbekenntnis!
Bei einem Besuch der Nassräume fielen mir die vielen Aufkleber rund ums Waschbecken auf. Nur fehlte da noch einer aus der Pfalz. Ein aus Krankheitsgründen daheimgebliebener Schüler (FCK-Fan) hatte mich im Vorfeld mit genügend teuflischem Klebematerial in Rot-Weiß versorgt. Ich musste ihm diesen Gefallen einfach tun und konnte deshalb gar nicht anders, als an die „uneinnehmbare“ Bastion „Betzenberg“ zu erinnern…
Das gemeinsame „Angrillen“ in Ku’Dammnähe Mitte Mai kann als durchaus gelungen betrachtet werden. Auch unseren beiden Kolleginnen taugte der Abend in Sachen Kulinarik (und natürlich Gesellschaft!) und so konnten wir gut gestärkt am nächsten Tag den Besuch des ehemaligen Stasigefängnisses in Hohenschönhausen angehen. Vom Spontanbesuch bei einem sehr guten Schöneberger Thai-Restaurant erzähle ich euch dann beim nächsten Mal.