"Wastel führte uns durch seine Vergangenheit, und da durfte Kirsten´s Hooger Fähre nicht fehlen."
Geschrieben am 16.09.2026 2026-09-16 | Aktualisiert am 16.09.2026
Gasthaus Hooger Fähre
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Restaurant
04844992323
Hooger Fähre 5, 25849 Pellworm
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So konnte Wastel sich drauf verlassen, dass ein frisch gezapftes Pils auf seinem Platz stand, wenn er das Lokal betrat. Fast schien es mit der Tradition vorbei zu sein, denn drei Tage vor Heiligabend im Jahre 2019 brannte die Traditionsgaststätte, welche seit mehr als 100 Jahren in Hand der Familie Petersen ist, und in vierter Generation von Kirsten und Stephan Schuldt betrieben wird, bis auf die Grundmauern nieder. Kirsten verlor durch das Feuer nicht nur eine Gaststätte, sondern auch ihr Elternhaus voller Erinnerungen. Das Entsetzen auf der Insel Pellworm war natürlich groß, genauso groß war aber auch die Anteilnahme und Hilfe der Insulaner. Schnell wurde allen klar, die Hooger Fähre muss wiederaufgebaut werden. Denn Stephans größter Wunsch: an seinem Geburtstag Anfang Oktober soll das Haus wieder stehen. Dies war aber keine leichte Aufgabe, denn immer wieder haben Stürme, Regen und dann der Corona-Lockdown auf der Insel die Zeitpläne durcheinandergebracht. Seit dem 15. Mai 2021 ist das Gasthaus Hooger Fähre nun auch wieder geöffnet. Und das Wichtigste, die Gäste sind Kirsten und Stephan treu geblieben. Wer am Abend einen Platz im Restaurant haben will, muss zurzeit eine Woche im Voraus reservieren. Gut, dass es da einen Wastel gibt, denn für ihn, einen der treuesten Stammkunden, versucht Kirsten natürlich so viel wie möglich hinzubekommen. Und so durften auch wir, gemeinsam mit Wastels Enkel und seiner Frau am Tag nach der großen Geburtstagssause dieses ehrwürdige Haus kennenlernen.
Vom alten Haus war nichts mehr da, ersetzt wurde es durch einen modernen Neubau. Nichts mehr erinnert an das alte Haus, außer die Außenhülle. Im Inneren hat man sich der Zeit angepasst, und über dem großen Tresen, der Mittig im Restaurant thront, eine große Empore geschaffen, welche weiteren Gästen Platz bietet.
Generell gibt es nur Zweiertische, die sich aber fix zu einem Vier-, Sechs- oder Achtmanntisch zusammenschieben lassen. In einer Ecke steht ein großer runder Tisch für 8 Personen, der an diesem Abend für uns besetzt war. Die Tische sind aus dunklem Holz, die Stühle mit grauem Stoff bespannt sind dick gepolstert, man kann es also lange hier aushalten. Die decke und die Wände sind weiß gestrichen, an den Wänden hängen viele Erinnerungen an das alte Haus. Auch an der Theke kann man den Abend verbringen, denn auch an dieser stehen mehrere Hochstühle, mit dem gleichen grauen Stoff bespannt. Vor dem Gasthaus gibt es eine kleine Terrasse, von der man einen wunderbaren Blick über die Wiesen der Insel Pellworm bis hinüber zur alten Kirche hat. Hier gibt es große Korbsessel, welche mit einem Sitzkissen abgepolstert werden.
Kirsten sah uns wie früher schon beizeiten auf ihr Restaurant zukommen, und damit Wastel nicht u das ganze Haus muss, schloss sie extra für den Herrn die große Terassentür auf, die an diesem Tag wegen doch recht stürmischen Wetters geschlossen war. Sie begleitete uns nach einem großen und herzlichen Wiedersehens Hallo mit Wastel an unseren Tisch, welcher „dezent“ für den Jubilar mit einer Luftschlange geschmückt war. Die Speisekarte, welche in dickem Filz eingebunden wurde, war alsbald zur Hand, wir hatten nun die Qual der Wahl.
Auch hier wird wieder frisch, und vor allem regional gekocht. So kommt der fangfrische Fisch täglich mit dem Pellwormer Kutter in den Hafen, und das Fleisch kommt von auf nordfriesischen Weiden gezüchteten Rindern.
Wir entschieden uns also:
Getränke:
Vorspeisen:
Hauptspeisen:
Kirsten entschwand zum Tresen, musste aber, da sie heute allein im Service war, immer wieder ihre Arbeit unterbrechen, um neu ankommende Gäste zu platzieren. So dauerte unsere Getränkelieferung doch einige (viele)Minuten. Der Fachkräftemangel war auch auf der Insel angekommen.
Nur zwei Minuten nach unseren Getränken, eine knappe halbe Stunde nach Bestellung, kamen auch schon unsere Vorspeisen.
Während Wastel und sein Enkel sich jeweils eine Platte mit den frisch gegrillten Champignons teilten, welche nach ihrer Aussage sehr gut und vor allem sehr Knoblauch lastig waren, versuchten meine Frau und ich unsere Suppen.
Die fruchtige Tomatensuppe mit Sahnehäubchen war kochend heiß, kräftig rot in ihrer Farbe, sehr cremig und vor allem angenehm mild gewürzt. Der Geschmack der Tomaten kam deutlich hervor. Man schmeckte das dies keine Tütensuppe war, sondern wahrscheinlich mit so einem modernen Küchenkochgerät, welches Thermo hält und Mixt, angerichtet. Da ich das von meinem Freund, Chefkoch auf einem Luxuskreuzfahrtschiff, auch so kenne, ist das völlig ok.
Wenn ich an der See bin, muss es aber auch mindestens einmal eine klare Fischsuppe sein. Und so hatte ich mich heute der klaren Fischsuppe „Hooger Fähre“ verschrieben. Sie war mit verschiedenen, großen Fischfilets angesetzt, auch einige Miesmuscheln waren zu finden. Das Gemüse, Möhren-und Lauchraspeln waren in der klaren Brühe sehr pikant abgeschmeckt. Dazu gab es, wie bei der Tomatensuppe auch, das frische und leckere hausgebackene Brot.
Nach unserer Vorspeise hatten wir noch etwas Zeit zum Plaudern, denn die Hauptspeisen wurden 20 Minuten nachher serviert.
Meine Frau hatte sich den Pellwormer Backfisch ausgesucht. Dies waren zwei große Filets vom Seelachs, welche in einem selbstgemachten, leicht würzigen Bierteig gewalkt wurden und dann schön goldbraun gebraten wurden. Der Fisch war dabei noch herrlich frisch und weich. Dazu gab es ein Schälchen hausgemachter Remouladensoße, welche mit Zwiebelstippen und saurer Gurke angerichtet wurde. Eine frische Salatbeilage rundete alles auf dem Teller ab. Dazu gab es in einer großen Schale für uns Fischesser die Bratkartoffeln serviert. Und ja, das waren Bartkartoffeln wie ich sie mag. Goldgelb, leicht braun gebraten, ordentlich mit Zwiebel und Speck angerichtet und gut mit Salz und Pfeffer gewürzt. Also Deko noch etwas Lauch obenauf, lecker.
Wastel und Herr Jenome hatten sich natürlich für die ganze Scholle „Finkenwerder Art“ entschieden. Und ja, das war ne ordentliche Scholle, welche wir da jeweils serviert bekommen haben. Auch hier wieder war der Fisch richtig schön goldgelb gebraten, die Haut angenehm knusprig und gut gewürzt. Obenauf die krossen Speckwürfel und dazu die sauleckeren Bratkartoffeln. Ich habe gestaunt, wie unser alter Herr diesen großen Fisch da so weggespult hat. Respekt.
Lucie, Wastel´s Enkel und seine Frau hatten sich gegen den Fisch entschieden und hatten die Schweinemedaillons auf Brokkoli, welche Kirsten heute im Tagesangebot vorschlug. Drei große, zarte Medaillons waren ganz herzhaft angebraten und ordentlich mit der Pfeffermühle gewürzt. Da meine Frau das schon ahnte, hatte sie sich dagegen entschieden. Den anderen dreien schmeckte es. Denn auch der Brokkoli war richtig schön bissfest gekocht und herrlich grün auf dem Teller serviert. Dazu gab es die selbstgemachte Sauce Hollandaise und auch hier wieder die leckeren Bratkartoffeln.
Unser Fazit: Wastel hatte uns heute hier eingeladen, wollte er uns doch auch ein Stück seiner Geschichte zeigen. Wir fühlten uns bei Kirsten herzlich willkommen, das Essen war richtig lecker. Auch wenn das „alte“ Ambiente der Hooger Fähre fehlt, es ist ein tolles Restaurant. PS: sollte jemand die Lust und den Mut haben, Kirsten und Stephan suchen einen Nachfolger, und würden das gutgehende Haus gern verkaufen.